Stephan in the States

Sonntag, April 24, 2005

Senior Walk

Der ganze Freitag war der Michigan Tech Tradition des Senior Walk gewidmet, bei der die Absolventen des Semesters durch die Bars von Houghton und der Zwillingsstadt Hancock ziehen und viele Dollar über den Tresen schieben. Da es ja auch für uns das letzte Jahr hier ist, haben wir uns in internationaler Runde dem Geschehen angeschlossen. Am späten Vormittag wurde sich zum gemütlichen Frühstück getroffen und gegen zwei Uhr wurde die erste von insgesamt dreizehn Kneipen betreten. Das Wetter war selten schlecht, nur knapp über null Grad und dazu kräftiger Wind, lange wollte man nicht draußen sein. Es gab sogar für eine Stunde Schneefall mit richtig dicken Flocken, liegen geblieben ist aber nichts. Je später es wurde, desto voller wurde es auch und gegen zehn Uhr haben wir uns durch die letzte Tür gedrängelt.
Samstag Nachmittag bin ich mit meinen beiden Mitbewohnerinnen nach Hancock gewandert, um für sie Tickets für den Greyhound-Bus zu kaufen. Begleitet wurden wir von zwei Bekannten von Shiori, einem Japaner und einem Brasilianer. Wie sich später herausstellte, waren es zwei stark religiöse Kerle. Beim späten Lunch wurde vorher gebetet und ich durfte dickes Lob über Deutschland und die Erfindung des Buchdrucks entgegennehmen, der die Verbreitung der Bibel ermöglichte. Am Abend gab es ein Barbecue in der Appartementsiedlung der Uni, das ich nur dank Winterjacke und Mütze ertragen konnte. Mit drei Freunden wurde im Anschluss mal wieder zum Lake Superior gefahren, um den Sonnenuntergang anzuschauen, der phantastisch glühend rot war. Die Nacht wurde im Haus der beiden dänischen Austauschstudenten verbracht, die ihre Abschiedsparty gaben.
Heute war ein schrecklich langweiliger Tag, alle sind mit Lernen beschäftigt und ich bin gezwungen, meine Zeit überwiegend mit mir selbst zu verbringen. Zum Lunch ging es immerhin gemeinsam, als wir in eine kleine Stadt weiter nördlich gefahren sind, in der immer Sonntag-Mittag ein französisches Restaurant aufmacht. Der Koch ist Franzose und ich habe keine Ahnung, was ihn in diese Einöde verschlagen hat. Das Essen bestand aus drei Gängen und ich habe ein Entenpate als Vorspeise, Filet Mignon als Hauptgang und Creme Brulet als Nachspeise verputzt. Begleitet wurden wir u.a. von einer Französisch-Lehrerin der Uni, deren Lebenssituation mir mal wieder verdeutlicht hat, warum es keinen Sinn machen würde, in den USA ein Leben anzufangen. Sie hat in Frankreich studiert und hat über die nächsten Jahrzehnte in allen möglichen Ländern der Erde gelebt. Mit Anfang sechzig arbeitet sie jetzt halbtags an der Uni und nimmt hier und da kleiner Gelegenheitsjobs an. Der größte Teil ihres Verdienstes geht für Health Insurance drauf und ihre große Angst ist, einmal ernsthaft krank zu werden. Den Abend verbringe ich nun damit, die NBA Playoffs zu schauen, aber das muss ja auch mal sein.

1 Comments:

  • Hi Stephan,

    ich habe so das Gefühl, wenn Du nach Deutschland zurück kehrst, dann wird Dein Essenplan gegenüber Deiner jetzigen Zeit recht armseelig wieder klingen.
    Und weiterhin muss ich mich ebenfalls feststellen, dass Du ständig am Essen bist. Also manchmal liegt einem das Wasser im Munde *g*. Guten Appetit für die nächste Zeit wünsche ich:)

    MsG Jörg

    By Anonymous Anonym, at 1:47 AM  

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