Bush on Campus
Der heutige Tag war außerordentlich politisch ausgerichtet. In meinem ersten Kurs, meiner Literaturklasse, der von einer Afro-Amerikanerin gehalten wird und in der es zur Zeit um Südafrika geht, wurde über Nelson Mandela und Rassendiskriminierung in den USA gesprochen und es stellte sich heraus, dass ich der einzige war, der die Einwohnerzahl der Staaten wußte.
Auf dem Campus hat der Präsidentschaftswahlkampf seinen Höhepunkt erreicht. Die Demokraten schickten heute den Stiefsohn von Kerry ins Rennen, der eine Rede halten sollte, die ich wegen seiner Unpünktlichkeit aber leider verpasst habe. Ich wurde aber ernstlich gefragt, ob ich denn auch wählen dürfe (ja, selbstverständlich, aber meine Stimme zählt nur für ein Jahr) und ein anderer Austauschstudent sollte beantworten, wie bei ihm die Registrierung als Wähler ablief.
Die Republikaner sind sehr präsent und haben regelmäßig Infostände aufgebaut, bei denen man mit Stickern und sonstigem Schnick-Schnack versorgt wird. Das führt dazu, dass vor etlichen Häusern Bush-Schilder stehen und etliche Autos und Rucksäcke klebebildchenverstärkt durch die Stadt wuseln.
Den Ernst der Lage kann mal also leicht vergessen, wo es doch so viel Spaß macht sich über einen "Sportsmen for Bush" Pin zu amüsieren. Die Bedeutung wurde uns am Abend wieder vor Augen geführt, als wir eine Doku über die vier Jahre Bush-Regierung anschauten, die die Mißerfolge dieses Mannes sehr deutlich machten. Danach wurde beschlossen, sich Fahrenheit 9/11 anzuschauen und der Film hat mich wirklich sehr bewegt. Es waren gar nicht diese dramatischen Fakten, die teilweise auch als übertrieben oder falsch kritisiert wurden, wie die Verbindungen zwischen dem Bush- und BinLaden-Clan als vielmehr die "weichen" Infos, die bewegend waren. Viel wurde von Moore wieder in Michigan gefilmt, meinem derzeitigen Aufenthaltsort und einiges gezeigte läßt sich so sehr gut nachvollziehen. Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit, wie verwaiste, ghettomäßige Mittelstandsbezirke, oder die Hoffnungslosigkeit der jungen, schwarzen Bevölkerung, die ihre einzige Chance im Leben voran zu kommen, im Militär sieht. Doch das alles wird keinen großen Einfluß auf die Wahl haben, weil es scheinbar wichtiger ist, einen Präsidenten zu haben, der fest an Gott, Waffenfreiheit und seine eigenen Entscheidungen glaubt, mögen sie auch noch so falsch sein.

1 Comments:
Hi,
am Montag dem 1.11.04 kommt (auf Pro7???) Michael Moore`s "Fahrenheit 9/11", also ein Tag vor der Präsidentschaftswahl und ich freu mich schon darauf den Film zum 2.mal zu sehen!!!
Zum Glück sind die Menschen in Deutschland noch nicht so verweichlicht wie in Amerika (außer wenn`s um 5€ pro Liter Benzin geht:) - da kann man ein Auge zudrücken und dagegen sein;))
Grüße aus der Hanse-Metropole Greifswald - mfg jan
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Anonym, at 4:15 AM
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