Schneebedeckter Wrestler im Indian Summer
Beginnen wir heute etwas weiter zurück in der Woche. Am Dienstag haben wir uns in einer größeren Gruppe in den Norden der Keewenaw-Halbinsel aufgemacht, um am vorraussichtlich letzten Sonnentag des Jahres den Indian Summer (die Verfärbung der Bäume) anzuschauen. So richtig kann sich der Herbst hier aber noch nioht entscheiden, denn Gegenden mit herrlichen Farben (besonders hat es mir ein Gelb-Orange-Mix angetan) wechseln sich mit noch total grünen bzw. schon braunen ab.
Leider konnten wir uns nicht viel Zeit lassen, da einige Leute wegen Terminen am Abend zurück sein mussten. Unter anderem auch ich, wegen des ersten Meetings des Skiclubs, bei ich jetzt auch Mitglied bin. Für 10$ darf man nicht günstiger auf die Loipen und an Special Sales der örtlichen Sportshops teilnehmen, sondern bekommt auch noch Skiausrüstung gestellt.
Am Mittwoch abend war die dritte und letzte Bush-Kerry-Debatte. Die beiden Zankäpfel waren die ganze Zeit über in Portraitposition zu bewundern und mussten Fragen zur Krankenversicherung, Steuern und Sozialsystem beantworten. Einen richtigen Gewinner gab es nicht. Kerry hat bei jeder zweiten Antwort den Zeigefinger erhoben und mit "I have a plan ..." begonnen, während sich Bush wieder darauf beschränkte, die Fragen zu ignorieren und aufzuzählen was "my opponent" im Senat alles falsch gemacht hat. Es war auch in Ami in der Runde, der erzählte, dass sein Großvater für Bush stimmen wird, da er Angst hat, dass ihm die Demokraten, wenn sie an die Macht kommen, seine Waffen wegnehmen werden. Seine Großmutter wird, obwohl sie seine Politik nicht mag, für Kerry stimmen, da er genau wie sie Katholik ist. Was also mein Eindruck ist, jeder der sich um ernsthafte Themen wie Sozialsysteme, Wirtschaft und Krieg/Frieden Sorgen macht, wird Kerry wählen. Der Durchschnittsami, der mehr von emotionalen Aspekten, wie Waffen, billigem Sprit für dicke Autos, Religion, Angst vor Terrorismus und Abtreibungsskrupeln zerrt, wird George W. seine Stimme geben (die Wahl ist also entschieden).
Donnerstag und Freitag waren dann ganz den leidigen Hausaufgaben und meinem ersten Exam gewidmet. Ich glaube ich habe mich ganz wacker geschlagen und was mich sehr motivierte war die Aussicht, am abend zum Wrestling zu gehen. Die Werbung sah sehr vielversprechend aus und Tickets wurden schon Tage vorher besorgt (waren umsonst).
Aber was soll ich sagen, Fazit vorneweg, es war mit das langweiligste, was ich mir bisher so angeschaut habe.
Die Show fing 45 Minuten später an als erwartet, die Kämpfer waren 40 Jahre und älter und hatten ihre besten Tage schon lange, lange hinter sich. Entsprechend war auch das Niveau, es wurde mehr gequasselt als gekaempft, wenn man das denn so nennen darf, denn es war so schlecht geschauspielert, dass es einfach keinen Spass gemacht hat. Das lustigste waren noch die Zuschauer, die wohl froh waren, die Helden ihrer Kindheit mal live zu sehen und ganz standesgemäß rumgebrüllt haben ("Rip his head off" oder "KHA - Kick his ass"). Nach drei Stunden und ganzen drei Kaempfen haben wir es dann einfach nicht mehr ausgehalten, haben uns den Hauptkampf des krampfaderbestückten Showstars geschenkt, um uns zu einer lang angepriesenen Birthday Party aufzumachen. Diese hatte aber den gleichen Langweilelevel, so dass ich sehr froh war, endlich den schönsten Teil des Abends beginnen zu können, das Zubettgehen.
Am Sonnabend bin ich mit Johann (schwedischer Austauschstudent) und Dinh (franz./vietnamische- ) nach Marquette, der nächstgrößeren, zwei Autostunden entfernten Stadt gefahren. Der Morgen begann mit einem mittelstarken Regen/Schneeschauer und wurde im Laufe des Tages zu purem Schneefall, der dem Skihügel auf der anderen Seite des Flusses eine weißen Überzug verpasste.
In Marquette, das wie jede amerikanische Stadt, aus einer winzigen Innenstadt und einem breiten Häuser-Wallmart-Fastfoodrestaurant-Gürtel besteht, haben wir zu Beginn ein wenig Shopping betrieben, was meinen Schuhbestand um ein Paar Wanderschuhe erweiterte und frische T-Shirts in den Kleiderschrank brachte. Dann wurde sich ein wenig die Stadt angeschaut, der Kälte wegen aber bald in ein Cafe verzogen, um "deutschen" Schokokuchen zu essen, dessen Zuckergehalt halluzinogene Wirkung entfaltete. Auf dem Rückweg sind wir in einen echten, dicken Schneesturm gekommen. Man konnte keine fünf Meter weit schauen und wir waren gezwungen in nahezu Schritttempo über die Landstraße zu gurken. Es war aber sehr spassig, die Musik hat gestimmt, die Heizung funktionierte und der Zuckerrausch war noch nicht verflogen.
Nichtsdestotrotz haben wir es noch pünktlich zur Abendvorstellung im Unikino geschafft, wo sich die sehr lustige Parodie/Komödie Anchorman angeschaut wurde.
Heute war das zweite Saisonspiel im Basketball und ich war eigentlich frohen Mutes. Wir haben unser Team noch um eine polnische Centerin verstärkt und nach zweimal Training unter der Woche hätte alles gut laufen müssen. Die ersten Minuten des Spiels wurden aber wieder mal verschlafen und das Ende der zweiten Halbzeit war so katastrophal, dass wieder knapp verloren wurde, obwohl wir von der individuellen Seite viel stärker sind. Na ja, ich werde wohl beim nächsten Traninig mal ein Machtwort sprechen müssen. ;-)

2 Comments:
Hallo Stephan,
also hat bei Euch der Winter auch begonnen. Bei uns hat es am Wochenende ab 1000m auch geschneit. Da kann ich meine Lieblingssendung früh von 8 - 9 h auf 3Sat das Alpenpanorama wieder so richtig genießen.
Bei uns hier unten im Thale hat es allerdings beide Wochenendtage nur geregnet. Was allerdings dem Pilzwachstum gut tat. Habe am Sonnabend in einer gute Stunde 3 Eimer Schirmpilze gemäht.
Gestern abend dann beim Sonntagskrimi im Tatort Wiedersehen mit einem alten Bekannten.
Der Aotor und Hauptdarsteller von "Mucksmäuschenstill" spielte einen schizophrenen Serienmörder. Hoffentlich ist er mit diesen Rollen nicht lebenslänglich stigmatisiert.
Gruß
Papa
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Anonym, at 1:59 AM
Hi,
endlich klappt`s mal mit nem comment!
Thema Zuckerflash:)
1. Hab ich in Schweden auch schon erlebt - halben Liter Sirup getrunken (hat "relativ" als Limonade geschmeckt),
danach so aufgedreht, das sich die anderen Leute auf dem Camping-Platz ziemlich aufgeregt haben ( naja, die hab ich dann ausgelacht, was die widerum nicht so toll fanden:))
2. Ausgerechne so nen mit "nur" Zucker gefüllten Kuchen
nennen die "deutschen Kuchen"??? Woher nehmen die die Frechheit:( tztztz! Da bist Du jetzt in der Pflicht ..... mehr brauch ich dazu glaub ich nicht schreiben:)!
mfg Jan v.d. Randostseite des großen Teichs;)
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Anonym, at 5:15 PM
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