Stephan in the States

Freitag, Oktober 01, 2004

Dicke Bürokratie

Ich habe Sie gefunden, endlich! Die Fetten Amerikas, oder besser die fetten Frauen Amerikas. Ich habe mich schon gewundert, dass die Menschen hier wie Kopien von Europäern aussehen und mein Vorurteil scheinbar überhaupt nicht bestätigt wurde. Die Wahrheit ist, die dem fitnesswahn verfallenen Proto-Amis verstecken ihre übergewichtigen Landsleute. Nicht dass sie ihn dunkle Keller oder Lastwagendepots gesperrt werden, nein ganz weltmachtmäßig werden sie einem Pseudobeschäftigungsumfeld zugeführt: dem 4qm-Office.
Doch ich will von vorne beginnen. Ich habe beschlossen, etwas für Taschengeld und erweitertes Kommunikationsumfeld zu tun und mich für die die kapitalistische Ausbeutungsmaschinerie Niedriglohnjob zu bewerben. Mit meinem Visum darf ich zwar nur auf dem Campus arbeiten, aber da gibt es auch zahlreiche Jobs. So spät sind die besten natürlich weg und es bleibt nur die Cafeteria.
Ein Aushang weist darauf hin sich im Cafeteria-Office zu melden. Also nichts wie hin, nur um zu erfahren, dass ich erstmal ins Administrationsoffice gehen muss, um ein Bewerbungsbogen zu holen. Gesagt, getan. Das Ding ausgefüllt und zurück ins Cafe-Office, um mir eine Unterschrift zu holen und dann wieder ins Admin-Office.
Weil die Sekretärin mit meinem Status als Exchange-student nicht weiterkommt, werde ich in die hinterste Ecke des Office verwiesen und da sehe ich sie dann. Ein Berg von Mensch, geschlechtsmäßig zu Anfag nicht bestimmbar, von Kopf bis Fuss pures amerikanisches Fett. Wie jeder Officeangestellt mit einem coffee mug (eine Art Thermogefäß) ausgerüstet, allerdings in Dinosauriergröße, min 1,5 Liter.
Es gibt nun Probleme mit meiner Zweitbeschäftigung im Basketballbereich, ich muss also ins Sportoffice. Dort sichte ich dann das zweite Officeungeheuer. Etwas schlanker zwar, aber immer noch mehr als eindrucksvoll und mit allerlei goldenem Klimperzeug behangen.
Nummer drei wartet im Accountingoffice, wo ich wegen meiner Steuerformulare hinmuss. Wieder am Ende des Flurs gelegen, scheinbar um Besucher nicht zu verschrecken. Es ist wirklich erschreckend, mann kann nicht erkennen wo die Brust aufhört und der Bauch anfängt oder ist es nicht vielleicht doch schon der Oberschenkel? Abgeshen davon ist es eine sehr freundliche Beratung, ich bin zwar gezwungen, noch drei mal meine Adress und social security number aufzuschreiben (bei dem Überwachungsapparat hier, sollte man meinen, dass es reicht alles einmal niederzuschreiben und die Homeland Security es dann weiterverteilt) aber dann bin ich auch durch.
Fazit ist: ich arbeite jetzt Montags und Freitags jeweils zwei Stunden und kann mir so mein Kabelfernsehen verdienen.