Stephan in the States

Sonntag, Februar 13, 2005

Whale roams while Sponge Bob drums

Wie üblich, zu Beginn den Film der Woche, diesmal „Dig“, einer anschauenswerten Musik-Dokumentation über zwei abgedrehte Bands, die Dandy Warhols und das Brian Jonestown Massacre. Montagabend durfte ich außerdem einer Laptopvorführung des Gewinnerfilms des Bayerischen Kurzfilmfestivals beiwohnen, dessen Macher mit dem der Exilbayer hier befreundet sind, und der einen verstörenden Eindruck hinterlassen hat.
Mittwoch war dann der große Tag endlich gekommen. Wintercarnival hat begonnen. Tausende von Touristen und Freshmen-Eltern bevölkern den Ort und die Polizei hat alle Hände voll zu tun, die Alkoholbeschränkungen für Minderjährige durchzusetzen. Am Nachmittag begann das verlängerte Wochenende und damit der Start für die One-Nighter-Statue. Wir hatten uns vorgenommen, einen Wal und einen trommelspielenden Sponge Bob zu erschaffen. Kurz nach zwei begannen wir zu Dritt die Fläche vor unserem Haus zu räumen und das Equipment ranzuschaffen.
So fing alles an
Um vier gab es den ersten Glühwein zu trinken und als dann nach und nach die ersten Helfer eintrafen, konnten wir mit dem Schneeanhäufen beginnen. Dazu bauten wir aus alten Türen eine Umzäunung, in die Schnee geschüttet wird, der mit Hilfe von Unmengen an Wasser und mutigen Tramplern verfestigt wird. Anschließend versucht man so gut wir möglich, mit Messern und anderem Werkzeug die gewünschte Form herauszukratzen. Leider fehlten uns trotz großer Unterstützung ein paar erfahrene Leute mit künstlerischer Ader, um das Ergebnis wirklich schick zu machen. Zum Glück waren die Temperaturen recht erträglich und die Motivation hat die ganze Nacht gereicht, so dass wir um 5 Uhr morgens erschöpft und stolz die Baustelle verlassen konnten. Die ganze Mühe hat sich dann doppelt ausgezahlt, als wir überraschenderweise den dritten Preis für die Off-Campus-Gruppe (zugegebenermaßen die schwächste) bekommen haben.
... und das ist das Resultat
Am nächsten Morgen musste ich mich zum Arbeiten rausquälen, was umso ärgerlicher war, als das absolut tote Hose in der Cafeteria herrschte und ich die meiste Zeit gelangweilt hinter meinem Tresen rumstand. Nach Arbeitsschluß bin ich mit einem Smoothie in der Hand über den Campus gewandert und habe die fertigen Snow-Statues der anderen Wettbewerbe bestaunt. Wirklich atemberaubend, was die Gruppen so auf die Beine gestellt haben (mehr Photos unter http://www.mtu.edu/carnival/2005/statues.html). Am Abend konnte ich dank geschenkter Karte zur StageReview gehen. Acht Studentenorganisationen haben Vorführungen gegeben, die ein Mix aus Musical, Theater und Comedy waren. Ich hatte zwar nicht allzuviel erwartet, aber was es dann zu sehen gab, war wirklich klasse. Der Moderator war ein Comedien aus New York, der nach der zweiten Aufführung sprachlos auf der Bühne stand und meinte, sowas hätte er noch nie erlebt. Viel bizarrer als ein stark übergewichtiger und behaarter Studentenschafts-Bruder, der eine Meerjungfrau mit Muschel-BH in einer schwulen Unterwasserstadt spielt, geht wohl auch kaum. Dazu kamen Kostüme und Bühnenbauten, die sehr liebevoll und aufwendig gestaltet waren. Alles in Allem wächst mein Respekt vor den Studentenverbindungen immer mehr und ich wundere mich nur, wie sie die ganzen Veranstaltungen, kommunalen Aktivitäten, Unievents und regelmäßigen Partys mit Studieren organisiert bekommen. Danach haben wir uns noch den Zauberer von Oz gemixt mit Musik von Pink Floyd angeschaut, allerdings nach zehn Minuten gelangweilt das Kino verlassen.
Am Freitag habe ich mir nach der Arbeit meine beiden französischen Mitbewohner geschnappt und mit frisch gewachsten Skiern zum Langlauf in die Wälder aufgemacht. Ging auch ganz gut bis sich Sebastien, der schon die ganze Zeit etwas wacklig war, bei einem abfälligen Stück in die Bäume am Rand gestürzt hat und das Knie verdrehte.
Sebastien in heilem Zustand
Am Abend war ich zum Dinner aus Anlass des vietnamesischen Weihnachtsfestes eingeladen und durfte Mengen leckeren Essens verspeisen.
Samstag habe ich das sonnig warme Wetter genutzt, mein Fahrrad aus dem Keller geholt und bin zum Basketballgucken gerollert und durfte einem überzeugendem Sieg beiwohnen. Für unseren Ami wurde am Abend ein Geburtstagsessen gekocht und zusammen mit seiner Familie gequetscht in der Küche verdrückt. Danach galt es mich schick zu machen, da ich zum Sno-Ball eingeladen war, der den Abschluss des Wintercarnivals darstellte. Die unieigene Jazzband spielte richtig gute Livemusik, auch die unförmigsten Amis hatten sich in Anzug und enges Abendkleid gezwängt und ich ließ mir nicht die Gelegenheit nehmen, beim Tanzen auf viel nackte Zehen zu treten.
Heute habe ich mich alleine in die Skiloipen gestürzt, um die restlichen Kilometer für den wöchentlichen, skiclubeigenen 12km-Wettbewerb abzuskaten, der als Lotterie ausgelegt mit netten Preisen belohnt wird. Es geht zwar immer besser, es bleibt mir aber trotzdem ein Rätsel, warum ich nach aufsteigenden Hügeln am Ende fast zusammenbreche, während die grauhaarige Dame vor mir fröhlich weitergleitet.