Stephan in the States

Freitag, Januar 21, 2005

Studieren im Schnee

Nach über einem Monat Ruhe gibt es nun mal wieder etwas von mir zu hören. Letzte Woche hat das zweite Semester angefangen und es gab gleich wieder viel zu tun. Neben zwei mäßig interessanten Informatikkursen, belege ich einen English-Writing-Kurs bei einem multisprachbegabtem Ex-College-Lehrer, der aber nun als Manager in der örtlichen Tierklinik arbeitet und dies als zweiten (!) Nebenjob betreibt, sowie einen Kurs „Introduction to film“, der hauptsächlich aus Filmschauen und Filmdiskutieren besteht.
Im Unisportprogramm hat die Männer-Basketballsaison begonnen und mein Team hat schon die ersten beiden Niederlagen hinnehmen müssen, es gibt einfach kein Glück für mich in diesem Sport.
Mit das wichtigste ist natürlich mein neues Heim. Ich wohne jetzt in einem Zimmer unter dem Dach eines etwas betagten Hauses. Die Bewohner kommen aus allen Teilen der Welt (Japan, Frankreich, Bangladesh, Nepal, USA, Vietnam) und sind alles sehr nette Leute und die kulturellen Unterschiede sind geringer als man denken sollte (leider habe ich Ramadan verpasst, wo es wohl zur Lammschlachtung in der Küche kam).
Dank verändertem Stundenplan haben sich auch Jobzeit und -ort verändert und ich arbeite nun zweimal die Woche im Snackpoint, und meine Hauptbeschäftigung besteht darin, Smoothies zu mixen, ein Früchte, Sirup, Eismix, der lecker und überteuert zugleich ist.
Letzten Freitag war ich mit drei Freunden für eine Nacht zum Wintercampen unterwegs. Nachträglich haben wir erfahren, dass es eines der kältesten Wochenenden der Saison sein sollte, wir hatten schon tagsüber Temperaturen von -20C, nachts hat mir das Thermometer gefehlt, aber meinen Erinnerungen nach wurde es noch kälter. Bei Sonnenuntergang haben wir uns mit aller Ausrüstung auf dem Rücken durch den verschneiten Wald gekämpft, um unser Ziel, einen vereisten Wasserfall zu erreichen. Nach Zeltaufbau und Lagerfeuermachen, haben wir es uns dann mit Grillwürsten (amerikanischen und damit nicht sehr schmackhaft), Dosensuppe und Alkoholischem gemütlich gemacht. Den Temperaturen waren mit dicker Kleidung gut beizukommen, nur die Füße haben jedem von uns Sorgen gemacht. Nachts war deswegen nicht viel Schlaf zu bekommen und am Morgen haben sie sich bedenklich taub angefühlt, ein neues Feuerchen hat aber schnell Linderung verschafft. Über Nacht hatte es gut 20 Zentimeter Neuschnee gegeben und beim Rückmarsch auf neuer Route, konnten wir uns durch stellenweise hüfthohen Schnee kämpfen. Das anschließende Mittagessen beim Burgerrestaurant war dann ein echtes Festmahl und nur der halluzinogene Gestank, den meine rauchverpestete Kleidung abgab, konnte mir die Rückkehr in die Zivilisation verderben.
Blick aus dem Kuechenfenster meines neuen Hauses
Am Montag war der Martin Luther King Jr. Gedenktag, der uns Studenten den Nachmittag frei gab und mir damit die Gelegenheit, meine endlich erstandenen Skistöcke zum Skateskiing auszuprobieren. Das Luft war eisig kalt, die Sonne ballerte vom blauen Himmel, die Loipen waren perfekt präpariert, meine Ski waren falsch gewachst und ich stellte mich wie der erste Mensch an. Hatte die ganze Sache doch leichter in Erinnerung und war froh, dass kaum einer unterwegs war, der meine Stolpereien beobachten konnte. Spass hats trotzdem gemacht und zumindest konnte ich es als Trainingseinheit verbuchen.
Dienstag nachmittag wars dann soweit und die grassierende Grippewelle hatte mich erreicht (wieder mal). Die nächsten Tage war somit nicht viel los, habe mich zu ein paar Meetings und den Basketballspielen geschleppt und fühle mich erst seit heute wieder einigermaßen gut. Werde hier nun aufhören und ein Spielchen am hauseigenen Billardtisch wagen (Luxus ist was schönes).