Ein Land sieht rot
Obwohl in den letzten Tagen einiges aufschreibenswertes passiert ist, war ich doch zu faul, mich vor den Rechner zu setzen und so muss wieder ein Wochenrückblick her.
Am Montag abend war der erste Tag eines Streetballturniers und ich durfte mich wieder als Referee betätigen, was diesmal darauf hinauslief, dass ich den Shoot-Out-Contest-Court bewachen durfte, der zwei Stunden lang quasi unbetreten blieb. Aber ich will mich nicht beschweren, es war schließlich bezahlte Arbeit.
Am Dienstag dann der große Tag, der die Nation und die Welt bewegte: wir hatten das erste Spiel unseres Indoor-Soccer-Turniers. Durch einen dämlichen Wechsel unseres “Trainers” genau bei einem Eckball ging dieses Match leider 1:0 gegen uns aus. Als wir abends dann in geselliger Runde den Fernseher anmachten, wurde uns erst so richtig klar, wie sehr dieses Duell die Amis gefordert hatte – die Landkarte war rot. Vielleicht war es auch der erwartete Sieg Bushs, so richtig war das nicht rauszufinden. Die besten Informationen gibt es halt doch in Europa und mehr kann ich zu dem Abend auch nicht sagen.
Mittwoch abend waren die Tränen getrocknet und es konnte herzlich bei einem schwedischen Film (“Zusammen”) zum internationalen Filmabend gelacht werden. Es geht um eine Hippiekommune in Stockholm, die durch den Einzug der Schwester eines der Bewohner mit ihren Kindern durcheinander gewirbelt wird.
Donnerstag abend war ich als Eisverkäufer beim Eishockey tätig. Die Uni hat ein Division 1 Team (die höchste Uniliga), eine entsprechend große Halle und damit viele zuckersüchtige Fans, die mit gefrorenem versorgt werden wollen. Es artete wirklich in Arbeit aus, das Eis war teilweise megahart und musste mit Brachialgewalt aus dem Kübel geschabt werden. Am Ende hatten mein Partner Eric und ich ca. 30 Liter von dem Zeugs unter die Leute gebracht und waren von den Händen bis zum Bauchnabel mit Cookies&Cream, AppelPie und MintChocolate eingeschmiert. Ach so, das Spiel war eines der besten der Saison und ging 6:6 aus, wobei ich davon kein einziges Tor gesehen habe.
Freitag war wieder voll Arbeiten und Uni gewidmet, wurde am am Abend mit einem tollen Heim-Dinner aus amerikanischem Steak, belgischen FrenchFries und deutschem Salat belohnt. Nachts hat sich dann eine Party im Nachbar-Appartement auf den Flur ausgeweitet, neben uns noch etliche weitere Hausbewohner angezogen und zu einem fröhlichen Nachbarschaftstreffen gewandelt, so dass wir jetzt nach zwei Monaten endlich wissen, wer denn so mit uns haust.
Samstag war bis auf ein wenig Sport machen weitgehen ereignislos, der Höhepunkt war ein kulinarischer Kahlschlag der Studentenwohnheimsmensa zum Dinner meinerseits, da wir zum kostenlosen Essen eingeladen waren, und sowas will ausgekostet werden. Danach ging es dann ins Kino, um sich den Horrorthriller “Saw” anzuschauen, der ganz solide, blutige Unterhaltung ist, zu einigen Kreischatacken der anwesenden Ami-Girls führte und etwas über dem Durchschnitt des Genres tangiert. Bei einem letzten Abstecher in die Bar mussten wir dann noch die Bekanntschaft zweier (leicht beschränkter) deutscher Mädels machen, die jetzt amerikanische Ehefrauen und Mütter sind. Ein nettes Beispiel, wie süß das Leben manchmal sein kann. Die beiden kommen aus einem winzigen Kaff im Saarland, lernten ihre Ehemänner als stationierte Soldaten kennen, träumten vielleicht den Traum vom großen, freien Land und endeten in ... Houghton, einem winzigen Kaff in Michigan.
Heute morgen bin ich dann mit Hals- und Kopfschmerzen aufgewacht und bete, dass ich nicht wirklich krank werde. Mein Basketball-Team hat im letzten Saisonspiel den ersten Sieg geschafft. Hurra! Die Freude ist nur dadurch geschmälert, dass uns der Erfolg durch Fernbleiben unseres Gegners quasi geschenkt wurde.

1 Comments:
Gratuliere zum großartigen Sieg im Basketball. Merke: kein Gegner ist auch ein Gegner!
Papa
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Anonym, at 9:48 AM
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