Stephan in the States

Montag, August 30, 2004

Uni gestartet

Heute war der offizielle Start des Unisemesters. Der Tag fing stark verregnet an und was bietet sich da mehr an, als gleich mal auf den Golfplatz zu fahren. 95$ für die Mitgliedschaft abgedrückt und dann vom demotivierten Football-Coach, der als Golflehrer zwangsverpflichtet wurde, ein sterbenslangweiliges How-To-Do-Video mit zwei golfenden Rentnern vorgesetzt bekommen, dass die Hälfte der Klasse zum Einschlafen gebracht hat. Danach gings noch für eine Halbe Stunde zum Bälle schlagen auf die DrivingRange, was sich als ziemlich anspruchsvoll herausstellte und mir außerdem eine Menge Blasen an den Händen einbrachte.
Dann zum Englischkurs gehetzt, um meine grottige Aussprache zu verbessern. Der nächste Kurs war der erste Informatikkurs, der sich im übrigen um Softwarequalität dreht. Die Enttäuschung des Tages war ein Kurs über C++, der von einem Graduate Student (solche mit einem Bachelor als Abschluss) gehalten wird, der extrem unsicher und verschüchtert auftritt und etwa mein Alter ist. Den Kurs könnte ich wahrscheinlich für die ersten Wochen auch selber halten und ich empfinde es als Frechheit, dass den normalen Studenten dafür soviel Geld abgeknöpft wird.
Ein teures Thema sind auch die Bücher. Mein Mitbewohner hat für seine Kurs insgesamt 500$ in Literatur investiert. Für die Informatikkurse sind zum Glück keine Bücher Pflicht, aber für den Englischkurs muss ich zwei kaufen, die aber nicht so teuer sind. Unibücher sind hier extrem teuer (locker mal 140$), da man nur Hardcoverausgaben bekommt und selbst gebrauchte Bücher nicht viel billiger sind. Die Studenten, die schon länger dabei sind, kaufen ihr Zeug daher gebraucht bei Amazon oder Ebay (werde ich wohl auch machen) bzw. lassen sie sich aus dem Ausland mitbringen.
Mein Hauptgebäude.

Sonntag, August 29, 2004

Das erste Wochenende

Die letzten Tage hat es nicht so richtig geklappt die Neuigkeiten zu veroeffentlichen, so dass jetzt eine Zusammenfassung der vergangenen drei Tage folgt.
Am Freitag war fuer den Vormittag ein Meeting fuer die internationalen Studenten angesetzt. Bis auf den Teil, wo sich jeder vorzustellen hatte und neben Namen und Herkunft auch ein einzigartiges Erlebnis von sich erzaehlen sollte, war es wieder mal recht einschlaefernd. Es hat sich aber noch herausgestellt, dass es noch einen weiteren Stephan gibt, der auch noch aus der Naehe von Berlin kommt. Eigentlich wollte ich ja nichts mit Deutschen zu tun haben, um ganz im Englisch aufgehen zu koennen, aber die Leute sind dann leider doch sehr nett und wir werden wohl einiges zusammen machen.
Danach habe ich mein schickes neues Rad abgeholt und bin zum Einfahren gleich mal die Meile bergauf zur Mall geradelt, um ein paar Klamotten zu kaufen (@WG: baut schon mal im Flur an, es gibt wieder neue Schuhe).
Am Nachmittag kam dann endlich der Telekommunikationsmann, um uns ins Internet zu bringen. Als er erfuhr, dass ich aus Deutschland komme, hat er gleich losgelegt, wie toll unser Land ist und dass Deutschland in der Geschicht sehr ungerecht behandelt wird, schließlich gibt es noch mehr als den 2. Weltkrieg. Soweit ganz gut, als er dann aber über die Rolle der Soldaten und der SS loslegte und erzählte, dass sein Cousin ein echter Nazi ist, fühlte ich mich doch sehr unwohl. Können die dummen Amis denn an nichts anderes als Autos und das Dritte Reich denken, wenn sie Deutschland hören? Das Internet hat er dann auch nicht hinbekommen, obwohl es seit heute morgen plötzlich läuft, sehr komisch.
Samstag wurden alle Internationals in zwei Busse gesteckt und über die Insel gekarrt, um sich Landschaft und Leute anzuschauen. Leider war das Wetter sehr unangenehm, so dass die Schönheit diese Gegend im Grau des Tages untergegangen ist. Was die Ortschaften betrifft, kann man extreme Unterschiede feststellen. Manche der Häuser sind so heruntergekommen und windschief, dass man sich wundert, wie dort noch Menschen leben können und mir Bilder von Dokus ueber Sibirien in den Sinn kommen. Daneben stehen dann aber halbe Villen mit schickem Anstrich und dicken Autos davor. Am späten Nachmittag war dann ein Fussballturnier angesetzt. Mein Team bestand zur Hälfte aus Internationals und Amis, eine nette Mischung und die Amis haben von allen am besten gespielt, Fussball setzt sich wohl so langsam durch. Ein Spiel ueberlegen gewonnen, dass andere im ShotOut verloren, war ganz gut, denn in der Kälte hatte keiner mehr Lust auf mehr Gebolze im Freien.
Am Abend haben Brieux und ich eine kleine Party fuer das Team und unsere paar Bekannten gegeben. Die Bude wurde nett voll und es hat allen Spass gemacht, was kann man mehr verlangen. Bedenklich ist nur, dass ich mich strafbar gemacht habe, da sowohl Alkohol offen fuer Minderjaehrige (unter 21) zugänglich war als auch ausgeschenkt wurde. Auweia!!!
Heute sind wir zu einem langweiligen Picknick des InternationalClubs gefahren. Ich habe mir einen Burger runtergewürgt und dann für einige Zeit mit einem Kajak ueber den See gepadelt, was ganz nett war, abgesehen vom nassen Hintern danach. Im Anschluss noch mit Briex bei einem Motocross-Rennen des oertlichen Country-Festes ueber die Absperrgitter geschmult und den Sprüngen und Stürzen zugeschaut. Jetzt muss Schluss gemacht werden, da nun orignale FrenchFries zubereitet werden. Bon Appetit!

Donnerstag, August 26, 2004

Hurra, Sport!

Heute morgen wieder aus dem Bett gequaelt, um die naechste ueberfluessige Info-Veranstaltung mitzumachen. So langsam reichts mit dieser Zeitverschwendung und ich bin froh, dass die Orientierungswoche bald vorbei ist. Bin dank kaputten Fahrrads zu Fuss zur Uni gelaufen und habe handgestoppte 10 Minuten benoetigt. Dass macht Mut fuer den Winter.
Nach einem dicken Fruehstueck bin ich anschliessend mit Brieux im oertlichen Sportgeschaeft ein neues Fahrrad kaufen gegangen. Ein schickes Giant Mountain-Bike mit Alurahmen und ordentlichen Komponenten. War auch gar nicht so teuer. Abholen kann ich es leider erst morgen, da es noch zusammengebaut werden muss. Habe aber ein Leihrad bekommen und so konnte wir ein wenig die Gegend erkunden und einige Besorgungen machen.
Am spaeten Nachmittag habe ich dann die Sporthalle ausgetestet und schoene zwei Stunden Basketball gespielt. Die Studenten treffen sich dort jeden Tag und es wird auf dem Grossfeld gezockt. Hat sehr viel Spass gemacht, da es genau mein Level ist.
Am Abend noch lecker Essen gemacht und jetzt werde ich tot ins Bett fallen.

Mittwoch, August 25, 2004

Erste Winterinfos

Heute morgen war frueh aufstehen angesagt, da um 8:30 die Einfuehrungstage fuer die Austauschstudenten anfing. Von den rund 100 anwesenden Leuten, waren aber nur ca. 20 wirklich Austauschstudenten, der Rest sind sogenannte Transfer Students, die von anderen Unis kommen und hier weiterstudieren.
Die ersten zwei Stunden waren wieder mal kompakte Langeweile, mit Reden ueber erfolgreiches Studieren und BlaBla ueber die Uni. Danach gab es aber eine sehr amuesante Diashow eines koreanischen Profs, der ueber den Winter hier erzaehlte und wie er seine erste Zeit hier erlebte. Als Zusammenfassung kann ich geben, das der erste Schnee Anfang Oktober fallen wird und der letzte Anfang Mai. In den Monaten dazwischen werden insgesamt um die 9 Meter Schnee gefallen sein, wobei es vorkommen kann, dass in einer Nacht bis zu 60cm Schnee aus den Wolken purzeln. Die Temperaturen werden auf bis zu -20 C fallen. *Brrrrr*
Anschliessend hat man sich mit seinem Advisor getroffen, um den Studenplan durchzugehen und weitere Fragen zu stellen. Meine Idee hier evtl. einen Abschluss (Master oder Bachelor) zu machen, habe ich danach aufgegeben. Der Kursplan ist doch zu unterschiedlich gegenueber meiner Uni und ich muesste ummenschnlich viel Arbeit reinstecken, um dieses Ziel zu erreichen.
Lustig war dann noch eine Veranstaltung der College-Sportteams. Die Trainer der unterschiedlichen Mannschaften haben sich vorgestellt, es wurde Werbung fuer die Spiele gemacht und danach mussten alle den Traditionssong singen. Dabei stellten sich alle Studenten auf, es wurde sich mit den Armen untergehakt und dann hin- und hergeschunkelt, ganz wie im Musikantenstadel.
Schlechte Nachricht noch, mein Wallmart-Bike hat es teilweise dahingerafft. Einmal im Fahrradstaender umgekippt und schon war das Plast-Vorderrad verbogen. Werde ich wohl zurueckbringen.
Am Abend mit Brieux bei einer heimischen Kette einen leckeren Burger essen gewesen. Wir haben aber danach gleich beschlossen, dass das wegen der Figur nur einmal die Woche gemacht wird.
Das ist das Schmuckstueck im heilen Zustand.

Dienstag, August 24, 2004

Kursabzocke

Der Vormittag war eigentlich frei aber ich habe mir trotzdem den Wecker gestellt, um ein bisschen was zu schaffen am Tage. Habe mich nach dem Fruestueck ueber den Kursplan gesetzt, um mir ein paar feine Sachen auszusuchen. Das Angebot ist wirklich gross, da ich neben den Informatikfaechern auch Sport-, Kunst-, Musik- und viele weitere andere Faecher waehlen kann. Beim Belegen der Kurse hatte ich leider ein wenig Pech, da die wirklich interessanten Sachen (Film bzw. Photographie) schon weg waren. Ich belege jetzt fuer die Informatik 'SoftwareDevelepment using C++', 'Introduction to Parallel Programming' und 'Quality Aspects in Software Development'. Zur Entspannung und Horizonterweiterung mache ich noch einen Anfaengerkurs Golf sowie 'Novels of the 20th Centurie'. Einen richtigen Schocker gab es auch noch. Fuer Labor- und Fakultaetsgebuehren musste ich 460$ bezahlen. Habe aber gleich mal an meine Heimuni geschrieben, ob das mit rechten Dingen zugeht, denn eigentlich war von sowas nie die Rede.
Ansonsten gab es noch ein paar langweilige Infoveranstaltungen, die ich so abgesessen habe. Am Abend steht evtl. noch ein Show im Rosze-Center an. Das ist ein ziemlich grosser Konzert-/Theatersaal mit bestimmt 700 Plaetzen und nicht aelter als 3 Jahre. Macht ganz schoen was her fuer so einen so kleinen Ort.

Montag, August 23, 2004

Verirrte Orientierung

Zuerst noch ein Nachtrag zu gestern. Ich war mit Brieux (meinem Mitbewohner) im lokalen Kino und habe die Bourne Supremacy gesehen (@Florian: kann man sich anschauen). Es ist ein sehr schoenes Kino, erinnert mich an die Lichtspielhaeuser im Osten. Die Sitze sind bestimmt 30 Jahre alt und die Leinwand ist nicht groesser als manche HomeCinema-Projektion. Wurden danach noch von einem Highschool-Lehrer, der mit seinen Gastkindern vor uns sass, auf ein paar Drinks in eine Bar eingeladen. Ein ganz netter Abend, alles in allem.

Heute fing die Orientationswoche mit einem morgendlichen Breakfast-Meeting an. Es gab lecker!? Donouts und irgendwelches Gebaeck mit fieser, fieser Cremefuellung. Dann Gruppenmeeting mit den Informatikstudenten (schlimmer als in Deutschland: keine Frauen und der Rest 50% Nerds) fuer eine Einfuehrung ins Studium, die ich mir auch haette schenken koennen.
Mit Brieux im Anschluss die SocialSecurityID beantragt, die man fuers Arbeiten und diverse buerokratische Aktivitaeten braucht. Danach haben wir uns die Bibliotheksfuehrung angetan und den Sportkomplex begutachtet. Dort gibt es neben einem Footballfeld, vier Basketballfelder, eine Indoorlaufhalle, Squashcourts, eine grosses Icehockeycenter und diverse kleinere Sporthallen. SEHR beeindruckend!
Um Sechs gings zu einer Veranstaltung ueber die moeglichen Freizeitaktivitaeten, die in und rund um die Uni gemacht werden koennen. Fuer die Rednerin war alles 'pretty cool' oder man konnte 'tons of things' erleben. Ging mir am Ende tierisch auf die Nerven dieses Positivgehype.
Danach noch ein letztes Teammeeting, das einen Contest mit vier anderen Teams darstellte. Wir mussten aus Strohhalmen und Klebeband eine moeglichst hohe Konstruktion erschaffen, die einen Tennisball zu halten hat. Das Ganze musste anschliessend mit Postern praesentiert werden. War eine ganz lustige Angelegenheit und ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch Amis sehr zynisch sein koennen. Leider gab es danach noch 15 Minuten Gequatsche, ueber was man haette besser machen koennen, wie die Teamarbeit funkioniert hat, dass Leadership und Teamspirit sehr hoch angesehen sind an der MTU usw... . Nun ja, da muss man halt mal durch.

Sonntag, August 22, 2004

Call me

Der Jetlag ist hoffentlich besiegt, habe heute nochmal richtig lange geschlafen (10.00). Hatte mich dann auf eine schoene Dusche gefreut, aber das Ami-System ist so bescheuert, dass weder ich noch mein Mitbewohner rausgefunden haben, wie man vom Wasserhahn auf die Dusche umstellt. Ich musste also baden und wieder Unmengen an kostbarem Wasser vergeuden. Nach einem netten Fruehstueck sind wir zur Uni geradelt und haben unseren Studentenausweis abgeholt und zusammen ein Handy erstanden. Das ist nicht viel teurer als ein regulaerer Anschluss, hat aber den Vorteil, dass man sehr guenstig mit Vorwahlen ins Ausland telefonieren kann. (Ueber das rueckstaendige Telefonsystem muss ich mich spaeter nochmal auslassen). Fazit ist aber:

ICH BIN JETZT ANRUFBAR
und zwar unter 001-906-370 4659

Post kann auch gerne geschickt werden:
900 Lakeshore Drive
Houghton, MI 49931

Habe mich anschliessend nach einer Herbstjacke umgesehen, da meine noch in Berlin haengt. Was soll ich sagen, mein Glueck ist fuer die naechsten Tage aufgebraucht, super Jacke gefunden fuer einen Spottpreis (50$).
Danach gings nochmal zu Wallmart, die letzten Kuechenutensilien und eine Stereoanlage kaufen.

Samstag, August 21, 2004

Lakeside View

Die letzten beiden Tage habe eine ganze Menge neuer Eindrucke hinterlassen und es wuerde dieses Posting sprengen sie alle niederzuschreiben. Also nur mal kurz Stickpunkte und dann das Wesentliche:
- riesige Autos
- mehr Keks- und Cornflakessorten als ich jemals probieren koennte
- Austauschstundenten aus der ganzen Welt
- armes, rueckstaendige Amerika
- ...

Die beste aller Nachrichten, ich habe ein tolles Appartement gefunden. Ein Student, der dieses Semester in einer anderen Stadt arbeiten ist, hat sein Appartement an mich weitervermietet. Zwei Schlafzimmer, grosses Wohnzimmer (mit Bartheke !!!) und Terrasse, da ebenerdig. Die Miete liegt bei 460$ und wie man mir gesagt hat, ist das ein echter Gluecksgriff. Die Lage ist auch klasse, genau zwischen Uni und Stadtzentrum. Einen Wohngenossen habe ich auch gleich gefunden, ein netter Kerl aus Belgien. Bin sehr froh mit jemanden aus Europa zusammenzuleben, man hat doch eine recht aehnliche Lebenseinstellung.
Waren heute bei Wallmart (shame on me) und Econo-Foot (Lebensmittel) und haben unseren Hausstand mit fast 300 $ zusammengekauft. Als Bonus haben wir uns jeweils ein Mountainbike gekauft, das es bei Wallmart fuer 60$ gibt und ich schwoere es ist keine Dollar mehr wert :-)
Mit den Preisen ist es sehr komisch, manche Sachen sind unglaublich billig, siehe Fahrrad oder mein fuer 5$ erstandenes Telefon, andere Dinge wie Lebensmittel schweineteuer.
Beispiele: Sixer Becks 0,33l = 8.50$
10 Rollen Toilettenpapier = 6$
Soweit fuer heute, hoffe bald regelmaessiger schreiben zu koennen.
Blick aus dem Fenster.

Donnerstag, August 19, 2004

Nun also doch

Die ganze Sache hat nun doch noch ein gutes Ende gefunden. Ich sitze nun im Rechenzentrum der MTU und kann aus den USA schreiben.
Bin heute morgen um 7.00 aufgewacht und habe mich dann auf einen Erkundungslauf durch die Stadt gemacht. Der erste Eindruck ist nicht sehr ueberwaeltigend. Es handelt sich um eine kleine, nicht sehr schicke Stadt, die allerdings direkt am See liegt.
Wurde danach von Jason, einem der studentischen Betreuer abgeholt und wir sind fruehstuecken gefahren (Pancakes mit Sirup). Danach ging es zum CIE (Center for international Education) um meine Anmeldung vorzunehmen.
Mein groesstes Problem, die Wohnungsfindung habe ich heute leider noch nicht loesen koennen. Das Angebot an nahe liegenden Wohungen ist nicht sehr gross und das Zimmer, das ich mir angeschaut habe, war sehr klein und heruntergekommen. Ich bin wirklich sehr beunruhigt, hatte ich doch eingentlich gehofft, mit anderen Austauschstudenten eine Appartement teilen zu koennen.
Na mal sehen, was morgen so passiert.