New York - New York
Am Freitag vor einer Woche haben wir fünf Autobesitzer uns in unserem blauen Buick über die Thanksgiving-Ferien zu einem längeren Ostküstentrip aufgemacht. Das erste große Ziel waren die Niagarafälle in Buffalo. Da wir die Hintour ruhig angehen wollten, gab es für diese 1100 Meilenstrecke einen Übernachtungsstop in Saginaw, einem Michael-Moore-Flint-mäßigem Mittelstandsghetto-Städtchen, was uns den Abend lieber im Hotel verbringen ließ.
Am Sonntag standen dann die Wasserfälle auf dem Programm. Davor verbrachten wir allerdings gute zwei Stunden damit, ins Zentrum von Buffalo zu gelangen und nach einer Frühstücks-Mittagessen-Gelegenheit zu suchen, was sich als ziemlich hoffnungslos erwies, da diese Stadt am Wochenende genauso lebendig ist wie Berlin-Adlershof.
Die Fälle an sich hätte ich mir größer vorgestellt, aber der umgebende Park bzw. Ontario auf der kanadischen Seite waren ein schöner Anblick und das kalte Wetter sorgte für weitgehend besucherfreien Sightseeing-Genuß.
Danach sind wir noch weiter in den Norden an das Ufer des Eriesees gefahren, wo sich das älteste Fort der USA befindet, das im Laufe der Jahrhunderte so einige Schlachten erlebt hat. Die Sicht war am Abend war so gut, dass wir sogar Toronto auf der anderen Seit des Sees sehen konnten.
Am Montag haben wir uns dann auf den Weg nach New York gemacht. Die Idee war, durch zeitiges Losfahren noch bei Tageslicht in der großen Stadt anzukommen, was aber leider durch das bemerkenswerte amerikanische Straßenausschilderungssystem unmöglich gemacht wurde. Wir hatten schon im Voraus Zimmer in einer Jugendherberge oder besser klingend Hostel bestellt, wo wir uns auch mit weiteren Freunden aus der Uni treffen wollten. Dieses liegt in Manhattan nördlich des Central Parks, uns war aber nicht bewusst, dass es sich dabei um den Stadtteil Harlem handelt und so war es ein kleiner Schocker, als wir, auf der Suche nach der richtigen Adresse durch Straßen fuhren, wo vor jedem dritten Hauseingang eine Gruppe von Schwarzen in HipHop-Klamotten herumlungerte. Das Hostel war zweifach durch ein Metallgitter geschützt und beim Einchecken wurde uns geraten im Dunkeln nicht alleine vor die Tür zu gehen. War dann aber alles halb so schlimm, die Gegend ist mittlerweile schwarze Mittelschicht und entwickelt sich langsam zum neuen Szenebezirk, wie wir später erfuhren.
Am Dienstag ging es dann zum ersten richtigen Sightseeing bzw. dem verzweifelten Versuch Karten für eine Broadwayshow (sprich einem dämlichen Musical) zu bekommen, was aber die üppigen Preise (50$ und mehr für reduzierte Karten) zum Glück verhinderten. Ansonsten haben wir uns den Timessquare (sehr lebhaft und bunt), Chinatown (sehr chinesisch) und die Brooklyn-Bridge (sehr brückig) angeschaut.
Am Abend ging es zu einer längeren Kneipentour in die angesagten Gegenden der Stadt.
Mittwoch Vormittag hieß es wieder Koffer packen, da wir in ein anderes Hostel umziehen mussten. Diesmal ging es in den Süden der Insel nach Chelsea, einem der Künstler/Schwulenviertel der Stadt, den Beschreibungen der Reiseführer bzw. der Anzahl homosexueller Sexshops nach. Wir konnten uns nun zum ersten Mal durch den Verkehr Manhattans kämpfen, der überwiegend aus roten Ampeln und gelben Taxis besteht, ansonsten aber recht harmlos ist. Der Nachmittag war der Kultur, mit einem Besuch des Guggenheim-Museums und dem Shopping, mit einer Wanderung durch Soho (Hackescher Markt, nur größer) gewidmet. Später ging es auf die Spitze des Empire State Buildings, wo man einen atemraubenden Blick auf das Lichtermeer der Stadt werfen konnte. Die Nacht verbrachten wir in einem der größten Clubs NY's, der Webster Hall, der einen nur mit Eintritt und Garderobe schon um 30$ ärmer machte. Auf mehreren Etagen wurde überwiegend HipHop und Ragga gespielt, die Leute waren von superschick bis schlampig gekleidet und alles in allem war es kein großer Unterschied zu dem, was man aus Berlin kennt.
Donnerstag habe ich mich dann in aller Frühe aus dem Bett gekämpft, um zum Broadway zu fahren und die Thanksgiving-Parade, gesponsert vom Superkaufhaus Macys anzuschauen, die aus riesigen Luftballons und Marchingbands bestand. Es war ein schöner, warmer Tag, Unmengen von Menschen unterwegs und eine tolle Atmosphäre.
Am Abend haben wir alle zusammen für eine Stunde eine Stretchlimousine gemietet und sind durch Downtown New York gefahren. Zur Feier der letzten Nacht ging es nochmal zum Tanzen, diesmal in eine umgestaltete Kirche, wo es die eigenartige Mischung Techno/HipHop und 80% Asiaten gab.
Nach dem wohlverdienten Ausschlafen ging es am Freitag zurück gen Heimat mit einem kleinen Stop in einem Outletcenter. Das Wochenende nach Thanksgiving ist in den USA das umsatzstärkste im ganzen Jahr und die meisten Geschäfte bieten dicke Preissenkungen an und so konnte ich nochmal meinen Winterbekleidungsvorrat aufstocken. Für die Rückfahrt hatten wir uns eigentlich zwei Tage vorgenommen, dank leerer Straßen und allgemeiner Erschöpfung entschieden wir uns dann aber für eine Durchfahrt, was uns nach 22,5 Stunden wieder in der Einöde Michigans ankommen ließ, die aber zumindest für mich, durch den ersten richtigen Schnee des Jahres versüßt wurde.


