Stephan in the States

Donnerstag, September 30, 2004

Meetings

Heute endlich mal ausgeschlafen! War auch notwendig, denn heute standen einige wichtige Meetings auf dem Programm. Wollte mich am frühen Nachmittag mit meiner Projektgruppe für Softwarequalitätssicherung treffen, da aber keiner richtig was gemacht hatte wurde es auf den späten Abend verschoben. Am Nachmittag habe ich mich dann mit dem International Club getroffen. Einer der Mitglieder hatte die famose Idee ein Oktoberfest(!) zu veranstalten. Da es auf dem Campus stattfinden soll, darf kein Bier ausgeschenkt werden, was dem Sinn dieses Festes schon mal entgegen läuft. Dann muss das angebotene Essen von der Campusküche zubereitet werden und wir müssen es ihnen dann quasi abkaufen. Zelte und Tische kann man zwar bekommen, aber nur für teures Geld leihen. Und da es keine deutschen Musikgruppen o.ä. gibt, werden wohl irgendwelche Südamerikaner einen Auftritt machen. Ich bin zumindest nicht sehr angetan davon.
Das nächste Treffen war für die Basketball-Schiedsrichter (-offiziellen) bzw. die die es werden wollen, wie mich. Ab nächste Woche beginnt die Saison für die Hobbyspieler und da werden immer Helfer gebraucht (gibt auch Taschengeld). Neben einer Pfeife und mündlichen Instruktionen wurde ich amitypisch mit etwa 10 Seiten auszufüllenden Formularen beschenkt. Ich habe min. vier mal Adresse, Telefonnummer und SocialSecuritynumber niedergeschrieben und ich weiß nicht mehr wie viele Unterschriften hingeschmiert. Ich hoffe, dass ich das mit dem Gepfeife hinbekomme, denn die Spezialfälle der Regelkunde, die diskutiert wurden, waren doch sehr knifflig.
Anschließend wieder an die Uni, um das verschobene Teammeeting zu besuchen. Es war erneut umwerfend produktiv. Morgen werden wir uns mit dem Prof. treffen, ich hoffe er zerreißt unser aus-den-Fingern-Gesaugtes nicht sofort in den Luft.

Dienstag, September 28, 2004

Nichts als Arbeit

Gestern frueh war die erste Programmierhausaufgabe faellig. Bin darum sehr zeitig aufgestanden, ins Lab geradelt und die letzten Zeilen gecodet, damit ich das Programm vor Terminschluss 11 Uhr abgeben konnte. Dann nach Hause gehetzt, um die fuer heute anstehende Literaturarbeit zu beginnen. Zwischendurch bei stroemendem Regen (den restlichen Tag schien die Sonne, typisch!) wieder zur Uni, um meine Kurse zu besuchen. Waehrend English ja sehr spassig ist, frage ich mich wirklich, warum ich Softwarequalitaetsssicherung belegt habe. Es ist so dermassen langweilig, dass mir quasi der Staub aus den Ohren rieselt.
Musste dann noch zur Bank, um ein paar Geldangelegenheiten zu regeln (ueber diese Umstaendlichkeiten werde ich nochmal ausfuehrlicher schreiben) und bei der Gelegenheit gleich noch neue Checks abzuholen. Das geht aber nicht so einfach. Erstens muss man fuer die dummen Dinger bezahlen und zweitens bekommt man sie zugeschickt. War somit gezwungen 16 $ abzudruecken, um in zwei Wochen Besitzer von 200 niegelnagelneuen Checks zu sein.
Der restliche Tag endete spaet nach Mitternacht und war mit Paper schreiben und Computer-Rumgeaergere ausgefuellt.
Heute dann wieder unausgeschlafen aus dem Bett gequaelt, um die letzten Korrekturen zu machen und das Geschriebenen auf Papier zu bringen. In class musste dann jeder Student seine Arbeit vorstellen/vorlesen und wurde sofort benotet. Ich war wirklich ueberrascht und bin sehr gluecklich ein A- bekommen zu haben fuer mein Last-Minute-Gefusche. Mein amerikanischer Sitznachbar hatte auch erst gestern angefangen, wie er kleinlaut zugab, als die Professorin ihn danach fragte. Das gab es grosses "ohhhh" und "what?" von den weiblichen Anwesenden und er wurde fuer hiesige Verhaeltnisse von der Prof. ziemlich zur Schnecke gemacht.

Donnerstag, September 23, 2004

Fahrrad und Kino

Schreibe die folgenden Zeilen mit einem kleinen Brummen im Kopf. Wir waren naemlich gestern abend Live-Musik anhoeren und ich wurde genoetigt, die ein oder andere Bierspezialitaet zu probieren. Es hat die Bluesband gespielt, die auch schon am K-Day aktiv war und es war wieder Spitzenmucke.
Vorher war ich an der Uni Film schauen. Einer der Profs zeigt woechentlich einen anspruchsvollen Film und danach wird drueber gequatscht, eine ganz schoene Idee. Gestern gabs 'Fruehling, Sommer, Herbst,Untitled 1 Winter und ... wieder Fruehling', ein sehr ruhiger aber schoener koreanischer Film.
Gestern beim Golfen zum ersten Mal richtig auf dem Platz gewesen. Es war naemlich die letzte Stunde und wir durften unser erworbenes (Nicht-) Koennen praktisch ausleben. Habe zwar nicht viel hinbekommen, hatte aber trotzdem meinen Spass, da wir uns, in Viergruppen eingeteilt, freudig durchs nasse Gelaende kaempften.
Am Abend bin ich dann zu WallMart gefahren, um mein repariertes Billigrad abzuholen. Wie befuerchtet konnte ich es nicht zurueckgeben, da die WallMart-Philosophie bei Raedern das Reparieren vorsieht. Erstaunlich aber wahr, sie reparieren Dinge in den USA. Bemerkenswert! Habe dann noch ein paar Dinge eingekauft und das Vergnuegen gehabt, eine Vorzeigeamerikanerin vor mir an der Kasse zu haben. Sehr korpulent, mit grauem Shirt und Shorts bekleidet und lange, fettige Haare. Sie trug ihre kleine Tochter bei sich, die komplett in rosa angezogen war und schon Ohrringe tragen musste. Dazu quatschte die Mutti staendig in Baby-Gaga-Sprache. Gekauft wurden 3 BigBottles Coke, ein rosa Schlafanzug fuers Baby, 4 Schachteln Marlboro (die starken) und Gott weiss warum ein Gallon-Kanister Pinselreiniger.

Sonntag, September 19, 2004

Parade of Nations

Nach längerer, krankheitsbedingter Pause (die Grippe hatte mich für einige Tage flachgelegt) gibt es nun wieder etwas zu berichten.
Am Samstag fand die Parade of Nations statt. Das ist ein grosser Umzug, zu dem Studenten aus den unterschiedlichen Ländern (ca. 80 verschiedene) mit Fahnen und nationaler Kleidung durch die Straßen Houghtons ziehen. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich hinter der deutschen Fahne marschiert und habe sie sogar zeitweilig getragen und das sogar mit ein bisschen Stolz. Im Ausland entwickelt man halt doch ein anderes Gefuehl seiner Heimat gegenueber. Es war auch bei den anderen Studenten ueberwiegend Spass und kein Nationalismus zu spueren und so feuerte man sich gegenseitig an und es wurden viele Vereinigungsphotos geschossen. Der einzig komische Moment war, als ich mit einem anderen Deutschen und der Fahne in der Hand an Israel vorbeigerannt bin.
Im Anschluss versammelten sich alle in einer grossen Festhalle. Es gab eine Buehne auf der fuer mehrere Stunden Musik-, Tanz- und Gesangsgruppen auftraten, darunter einige wirklich tolle Auftritte (malayischer Drachentanz). Daneben wurden von den Studenten Unmengen an nationalen Speisen verkauft, nach japanischem Irgendwas, vietnamesischen Gemueserollen, nepalesischen Curryeiern und amerikanischem Apfelkuchen war ich leider total satt und musste die restlichen 20 Staende auslassen. Von mir gabs Kartoffelpuffer mit Apfelmus, fuer die ich am Vortag gute drei bis vier Stunden in der Kueche gestanden habe. Kalt sahen sie zwar nicht mehr sehr lecker aus und schmeckten auch nicht so gut, habe trotzdem fast alle verkauft und einen kleinen Profit erzielt (mein erstes verdientes Geld im gelobten Land!).
Heute war ich zu meinem Racquetballmatch verabredet. Viel Worte gibt es da nicht zu verlieren, ich wurde 15:1 und 15:2 vom Platz gefegt. Meine Hoffnung, dass ich mit etwas Squasherfahrung schon bestehen koennte, hat sich als total falsch erwiesen. Fazit: dieses Sch***-Spiel werde ich so schnell nicht mehr probieren.
Na bitte, klappt doch mit der deutsch-franzoesichen Freundschaft

Montag, September 13, 2004

Woche 4

Heute war wieder mal ein wettermäßig wunderschöner Tag, der standesgemäß mit Golf begonnen wurde. Nach zwei Stunden driving, chipping und putting war meine Laune allerdings am Boden. Ich bin einfach zu schlecht. Wir spielten heute in Viererteams einen imaginären 9-Loch-Kurs auf der DrivingRange und dem Practice-Green. Während die Bälle der Mädels in meinem Team perfekt durch die Luft segelten, verreckten meine schon nach wenigen Metern wenn ich nicht gerade wuchtig drübergeschlagen habe.
Meine Laune wurde dann besser als ich im Englischkurs am schnellsten einen Zungenbrecher (Tongue Twister) aufsagen konnte und dafür von der Frau Lehrerin einen Schokoriegel bekam.
Im Softwarekurs wurden die ersten Hausaufgaben verteilt, die Aufgabenstellungen erstrecken sich auf 1,5 Seiten, gibt ganz schön was zu tun am Wochenende.
Am Abend war ich dann beim Treffen des Motorradclubs und habe meinen Aufnahmeantrag ausgefüllt. So richtig haben die Vorsitzenden zwar keine Ahnung was sie in ihrem Club machen wollen. Aber für den Winter steht wohl Schneemobilfahren und Schneemobilbauen an und das klingt ganz gut.
Dann noch ins Fitneßcenter geflitzt, um zum ersten Mal Eisen zu fressen und ganz dicke Minderwertigkeitskomplexe neben all diesen Muskeljunkies bekommen.

Sonntag, September 12, 2004

An jedem verdammten Sonntag

Habe mir heute mal den Luxus den Ausschlafens gegönnt und bis 10:30 in den Kunststoffedern gelegen. Wollte danach eigentlich in Ruhe frühstücken und mein neu gekauftes Wired-Magazin lesen, musste aber anstatt dessen den Laptops von Rene, einem mexikanischen Austauschstudenten, wieder heile machen. Das Problem war wie immer nicht ortbar bzw. in irgendeiner Weise nachvollziehbar, irgendwie haben wir es aber gelöst.
Bin danach zum Raquettball-Spielen ins SDC gegangen, da ich mich für diese Liga angemeldet habe. Dachte es wäre das gleiche wie Squash. Ist es aber nicht, Ball und Court sind viel größer und die Regeln müssen anders sein. Wir haben uns dann für eine Runde Squash entschieden.
Nach einem kleinen Dinner ging es dann noch für knapp zwei Stunden zum Bowling, wo ich mich ganz tapfer geschlagen habe und sogar zweimal Vorletzter geworden bin.

Samstag, September 11, 2004

Zum ersten Mal Football

Der Tag begann wieder mal damit, mich aus dem Bett zu quälen, damit ich pünktlich um 10 im SDC (Sport Development Complex) sein kann. Habe dort für 90 Minuten eine Einführung ins Fitnesscenter bekommen. Die Angst zu verfetten und meine unterentwickelte Informatiker-Rückenmuskulatur machen den Besuch dieser Einrichtung unerlässlich. Ein kleiner, aber unglaublich kräftiger Fitnesstrainer zeigte mir und zwei schwammigen Ami-Hausfrauen wie man sich richtig schindet. Am verwunderlichsten fand ich dabei, dass sich die beiden Pfannkuchen nicht etwa für die Fettburner-Maschinen, sondern am meisten für die Bein- und Bauchgeräte interessierten, obwohl diese Muskeln bei ihnen sichtbar unter einer molligen Lipidschicht versteckt waren.
Danach nach Hause gehastet, da um 1 Uhr, der Anpfiff zum Football anstand. Ja, mein erstes College-Footballspiel, ganz in live und Farbe. Das erste Staunen setzte beim Einmarsch des Teams ein. Mein Wissen über das Spiel bestand bis dahin daraus, dass mit 11 Mann gespielt wird und dass es eine Defense- und eine Offensemannschaft gibt. Macht 22 Mann, mit Auswechselspielern kommt man da auf etwas 40. Es lief aber eine ganze Armme auf, knapp 100 Spieler plus x Betreuer und min. 6 Trainer. Die Zuschauer schienen in der Minderzahl zu sein.
Gespielt wird in 4 Vierteln a 15 Minuten, die sich durch Spielunterbrechung aber auf gut eine Stunde pro Viertel ausdehnen können. Das erste Viertel hat dann auch alle meine Vorurteile bestätigt, es war sterbenslangweilig. Das zweite Viertel hatte einige schöne Momente, es gab Spielzüge, die mal länger als drei Sekunden waren und einige Touchdowns. Nach jedem Touchdown wurde durch die anwesenden Soldaten eine kleine Salut-Kanone gezündet und danach gingen sie zu Boden um für jeden Scorepunkt einen Liegestütz zu machen (pro Touchdown gibt es sechs Punkte). Beim dritten Viertel wäre ich beinahe eingeschlafen und danach sind wir auch wieder gegangen. Ansonsten war es aber ein schöner Nachmittag, es gab lecker HotDogs, die Sonne schien und die Uniband hat gute Stimmung gemacht.

Freitag, September 10, 2004

K-Day

Gestern ist nicht viel spektakuläres passiert. Habe mein Fahrradproblem im Sportshop lösen lassen. Irgendeine Gummiummantelung an der Achse war für das Quitschen verantwortlich, wie auch immer, ich kann jetzt wieder lautlos durch die Gegend preschen.
Am Abend ging es dann noch in die "Disko", weshalb ich heute etwas länger geschlafen habe. Uni gab es nicht, denn heute war K-Day, das heißt Keewenaw-Tag. Alle Studenten wurden zu einem schönen Strand/Park an den Lake Superior gekarrt und dann gabs Essen (Hamburger, Hotdogs und leckeren Schokokuchen, der aber leider mit dicken Schokoladenstücken übersüßt wurde), Livebands (eine gute Punkband @Heike/Florian: genau euer Stil und eine tolle Rockband), diverse Spiele, die unzähligen Studentenclubs haben sich vorgestellt und wer wollte, konnte baden gehen. Das Wetter war spitze und es war somit ein schöner Nachmittag.
Sehr bedenklich fand ich allerdings, dass man bei einem Spiel lebendige! Goldfische gewinnen konnte. Bei dem durchschnittlichen amerikanischen Verantwortungsbewußtsein ist doch klar, dass die Hälfte der armen Kiementierchen die Toilette runtergeflusht werden. Nee, Nee.

Mittwoch, September 08, 2004

Nix viel Neues

Die letzten beiden Tag waren recht ereignisarm, darum gibts eine Zwei-Tages Zusammenfassung. Gestern durfte ich zum ersten Mal richtig Bogenschiessen ueben. Nicht ganz unerwartet ist das gar nicht so einfach. Den Bogen zu spannen und mit verkraftem Arm auch noch zielen muessen, erfordert schon ein wenig Uebung (ich zweifle trotzdem nicht daran, in vier Jahren bei Olympia dabei zu sein). Nach einer halben Stunde und 36 Pfeilen war dann auch schon Schluss. Am Abend noch etwas Literaturhausaufgaben gemacht und das wars.
Heute morgen wieder auf den Golfplatz und bei strahlendem Sonnenschein Pitchen, Putten, Chippen und Swingen geuebt. Hat richtig Spass gemacht, wenn ich auch noch nicht besser geworden bin. Sportfreund Tony war auch wieder anwesend und ueberraschte mit neuem Outfit. Braune Polyestherhosen, die 10 cm zu kurz waren und immer wieder die bleichen Knoechel aufblitzen liessen und dazu ein T-Shirt des Astronomieclubs Louisville, mit einer Abbildung der Milchstrasse. Eine Golftasche war diesmal auch dabei, wobei der lila Stoff in schoenem Kontrast zu den froschgruenen Schlaegerschonern stand. Lustigerweise quiekt er nicht nur wie ein Meerschweinchen, sondern guckt auch genauso, wenn er an einem so sonnigen Tag wie heute der Sonne entgegen blinzelt.
Am Nachmittag bin ich zum Treffen des International Clubs gegangen und bin jetzt ordentliches Mitglied. Es soll wohl diverse Unternehmungen und Aktvitaeten stattfinden bzw. zu organisieren sein, mal sehen wie ich da mit meinen bescheidenen Faehigkeiten und deutschen Tugenden behilflich sein kann.
Nachtrag: bei meinem schicken neuen Fahrrad schleift eine Bremsbacke an der Felge, was ein nerviges Quitschen zur Folge hat und mir boese Blicke auf der Strasse einbringt

Dienstag, September 07, 2004

Wochenende in Chicago

Die letzten Tage habe ich keine neuen Meldungen veröffentlicht, da ich mich für einen Wochenendausflug in Chicago befunden habe. Am Freitag Nachmittag ging es mit Mario (deutsch), Johann (schwedisch), Arto und Tero (finnisch) per Auto los. Nach acht Stunden Fahrt durch den einsamen Norden kamen wir ohne größere Verirrungen in unserem Motel in einem Vorort von Chicago an. Die Unterkunft war unverschämt günstig, wir haben zusammen nur 60$ pro Nacht bezahlt. Allerdings haben wir etwas geschummelt, da eigentlich nur vier Personen im Zimmer erlaubt waren und so bei jeder Ankunft/Abfahrt die Angst des Entdecktwerdens den Rücken hochkrabbelte. In die Stadt sind wir mit der U-Bahn gekommen, die sehr günstig ist, 5$ pro Tag, aber auch in entsprechendem Zustand. Die Bahnhöfe sind alle mit dem in Ostkreuz vergleichbar und die Hochtrassen in der Stadt sind nur aus rostigem Eisen und Holz, was uns alle sehr an WildWest-Filme erinnerte.
Am Samstag haben wir eine Route aus Marias Tourguide abgelaufen und uns sämtliche Wolkenkratzer in Downtown angeschaut, was mich jetzt aber nicht so umgehauen hat. Am Abend sind wir in den GrandPark, der zwischen Downtown und Lake Michigan liegt, gegangen und haben dem stattfindendem Jazzfestival zugehört. War eine sehr schöne Atmosphäre, mit Menschen jedes Alters und Nationalität, nur der Jazz hat nicht meinen Geschmack getroffen. Am Sonntag sind wir ein wenig die Flaniermeile Chicagos, die Michigan Avenue entlanggelaufen und danach im Hancocktower, dem zweithöchsten Gebäude der Stadt (nach dem SearsTower) die Aussichts-Lounge besucht. Für winzige :-) Preise hat sich jeder von uns einen Cocktail gegönnt und wir konnten in sehr gemütlichen Sesseln die tolle Aussicht genießen. Der Nachmittag war dem Besuch des Aquariums gewidmet (23$ !!!), dass klasse Exponate hat und erstaunlich viele Infotafeln. Es gab Delphine, Belugawale, ein Amazonas Special und ein leider enttäuschendes Haibecken. Am Abend pilgerten wir zum Vergnügungspier, wo wir im Biergarten einer guten Coverband (von den Stones über Country hin zu LincolnPark) zuhörten, tanzten und überteuertes MillerLight tranken, den Abschluss bildete ein Feuerwerk, was die Finnen, die sowas scheinbar nicht gewohnt sind, zu wahrer Begeisterung brachte. Nach einem grossen Frühstück ging es am Montag, mit einem längeren Stop bei einem Outletcenter (zwei Shirts und eine Jeans, na ja) direkt wieder nach Hause.

Donnerstag, September 02, 2004

Waidmannslust

Habe mich heute zeitig aus dem Bett gequält, um die letzten 20 Seiten für meinen Literaturkurs zu lesen. Dies hat mich dann auch befähigt, die einzige Frage, die mir in der Stunde gestellt wurde, erfolgreich zu beantworten, wenn die anderen Studenten auch etwas irritiert geschaut haben.
Der Englischkurs war auch sehr erquickend. Es wurde sich in größeren Gruppen zusammengesetzt und das Sprechen von ähnlichen Wörtern geübt z.B. sport - support. Anschließend ging es darum, Wörter zu finden, die etwas mit der Uni zu tun haben und 1, 2 bzw. 3 Silben haben. Die Dozentin zählte mit den Fingern nach und für jedes richtige Wort bekam man ein Lob. Es war sehr schön, wie in alten Grundschultagen.
Bin anschließend zu meinem neuen Kurs geflitzt, Bogenschießen. Der Dozent muss ein alter Militärhase sein. Kurze grauen Haare, drahtige Figur und Armybewerbungsmappen auf dem Schreibtisch. An der Wand hängen zwei Poster: "Join the NRA" und "Do not forget 9-11" welches die Freiheitsstatur mit einem Schwert in der Hand zeigt, welches gen Bin Laden gerichtet ist. Leider hatte ich noch keine Pfeile, die man extra kaufen muss, so dass ich nur Trockenübungen machen konnte, aber das war schon spaßig. Als dann der Dozent über die Vorteile, der einzelnen Pfeile, anhand seiner Jagderfahrungen gesprochen hat, war ich endgültig begeistert und sah mich in Gedanken schon, im Winter durch die Wälder streifen und auf die gute, alte Art Hasen, Hirsche, Füchse, Wölfe, Elche und was halt sonst noch so vor sich hin lebt, erlegen.
Da heute sehr heißes, schwüles Wetter war, habe ich mich zum ersten mal getraut, in den Fluss vor meiner Haustüre zu springen, was sich als sehr erfrischend herausgestellt hat.

Mittwoch, September 01, 2004

18 Holes

Gibt zu Beginn einen kleinen Rueckblich auf Gestern. Der Tag begann mit meinem Literaturkurs (Novels from World Literature). Als Professor tauchte eine riesige, fette Afro-Amerikanerin in einem komplett pinken Outfit auf, die im Gegensatz zu den anderen Lehrkraeften mit ihrem Titel und Nachnamen angeredet werden moechte. Jeder Student (es sind nicht so viele) musste sich dann ausfuerhlich vorstellen und u.a. beschreiben, wo er sich in 10 Jahren im Leben sieht (das gab nur ein Schulterzucken von mir). Vier grosse Werke werden im Semester durchgenommen, die man natuerlich alle kaufen muss, denn Kursbuecher stehen nicht in der Bibliothek (Madame Bouveri, Anna Karenina, Cry the beloved Country und Don Quichotte @Heike: Mecker bloss nicht rum, wenn mal was falsch geschrieben ist!) Da auch Videoschauen auf dem Programm steht, dachte ich mir so 'Ach fein, hier und da mal ein Kapitel lesen und dann ein bisschen diskutieren, das wird nicht schwer'. Ja, denkste! Bis morgen muss ich die ersten 100 Seiten Madame Bouveri lesen. Dann gilt es zu jedem Buch eine Hausarbeit zu schreiben und am Ende des Semesters noch ein Projekt abzugeben. Dieses Arbeitshorrorszenario hat mich dann bewogen, meinen dritten Informatikkurs abzuwaehlen, weil der richtig schwer ist und ich mich hier ja nicht ueberarbeiten will.
Heute morgen dann zum zweiten mal auf den Golfplatz und 90 Minuten lang einputten geuebt, der Spassfaktor hielt sich in Grenzen. Das ganze wurde in Vierergruppen absolviert und ich hatte einen Super-Nerd an meiner Seite. Kurze Hosen, Socken bis fast unters Knie, T-Shirt mit irgendeinem kruden Comicaufdruck, viereckige Hornbrille, fettiges Haar und einen gespitztem Bleistift hinter dem Ohr. Tony sein Name, kann sich leidlich artikulieren, kichert aber wie ein Meerschweinchen. Zumindest hat es nicht geregnet!