Stephan in the States

Sonntag, Oktober 31, 2004

Halloween

Die erste Aufgabe des Tages bestand darin, Kaufberatung für Skiausrüstung zu geben. Am Fuße unseres tollen Skihügels gab es nämlich einen Zweite-Hand-Verkauf für Winterzeug und einige schneeunerfahrene Südamerikaner wollten sich mit den notwendigen Utensilien eindecken. Die Preise für Ski waren allerdings unverschämt hoch, was mich endgültig davon überzeugt hat, mich diesen Winter ganz dem Langlauf zu verschreiben.
Anschließend sind wir zum Football gehetzt, da das letzte Heimspiel anstand und mit einem Sieg die Divisionmeisterschaft geschafft wäre. Nach anfänglichem Sonnenschein wurde es immer bewölgter und kühler und wir waren froh, dass das andere Team schnell vom Platz gefegt wurde, was mit einigen schönen Angriffen und etlichen TouchDowns gelang. Nächste Woche fahren die Jungs dann nach Ann Arbor (in die Nähe von Detroit), um das letzte Gruppenspiel im Stadion der Michigan State University (über 70000 Plätze) zu absolvieren. Man wird geradezu bombadiert mit Werbung dafür.

Am Abend habe ich mich dann in Schale geschmissen, um den Halloween-Abend zu genießen. Zuerst ging es zu einer, sagen wir mal, ruhigen Party, die aber aufgrund des guten Essens nicht so schnell verlassen wurde. Danach gab es ein kleines Partyhopping und durch den Regen marschieren, bevor wir guten Endes was passendes gefunden hatten und versacken konnten.

Samstag, Oktober 30, 2004

Deutschstunde

Der gestrige Morgen begann mit einer Fahrt ins nördlich gelegene Calumet, um uns für das anstehende Halloween-Weekend mit standesgemäßer Kleidung einzudecken. Es gab auch einen schönen Shop, dessen Preiskultur einen Kostümerwerb aber leider unmöglich machte. Wir haben uns dann in einem Secon-Hand-Shop und Wallmart mit dem nötigsten eingedeckt.

An der Uni habe ich mich einer Deutschklasse als Interviewopfer zur Verfügung gestellt. Die Lehrerin hatte mich vor einiger Zeit um diesen Gefallen gebeten. Ich saß dann vor etwas 20 Studenten und habe treu und ehrlich Fragen zu Familie, Urlaubszielen und der Anzahl von Fernsehern in deutschen Haushalten beantwortet. War eine nette Erfahrung, wenn ich auch teilweise mit meinen Antworten unzufrieden war.
Nach einem Abendessen in den Dorms (Studentenwohnheim) ging es zu einem Dia-/Filmvortrag eines Abenteurers/Bergsteiges über die Antarktis und Grönland. Es waren unglaubliche Bilder dabei und der Vortrag war sehr lebhaft und amüsant (der Typ war noch keine 30). Besonders sein Film hat sehr gut deutlich gemacht, wie es so ist, ganz alleine in absoluter Wildnis zu sein und zu welch lustigen Momenten das führt (laut Liebeslieder singen, während man mitten in der Felswand hängt).
Im Anschluss ins Nachbargebäude gehetzt, um den sehr mittelmäßigen Film "The Village" anzuschauen, der weder an Spannung noch an Überraschungsmomenten an den Vorgänger "Sixth Sense" heranreicht.

Freitag, Oktober 29, 2004

Bush on Campus

Der heutige Tag war außerordentlich politisch ausgerichtet. In meinem ersten Kurs, meiner Literaturklasse, der von einer Afro-Amerikanerin gehalten wird und in der es zur Zeit um Südafrika geht, wurde über Nelson Mandela und Rassendiskriminierung in den USA gesprochen und es stellte sich heraus, dass ich der einzige war, der die Einwohnerzahl der Staaten wußte.
Auf dem Campus hat der Präsidentschaftswahlkampf seinen Höhepunkt erreicht. Die Demokraten schickten heute den Stiefsohn von Kerry ins Rennen, der eine Rede halten sollte, die ich wegen seiner Unpünktlichkeit aber leider verpasst habe. Ich wurde aber ernstlich gefragt, ob ich denn auch wählen dürfe (ja, selbstverständlich, aber meine Stimme zählt nur für ein Jahr) und ein anderer Austauschstudent sollte beantworten, wie bei ihm die Registrierung als Wähler ablief.
Die Republikaner sind sehr präsent und haben regelmäßig Infostände aufgebaut, bei denen man mit Stickern und sonstigem Schnick-Schnack versorgt wird. Das führt dazu, dass vor etlichen Häusern Bush-Schilder stehen und etliche Autos und Rucksäcke klebebildchenverstärkt durch die Stadt wuseln.

Den Ernst der Lage kann mal also leicht vergessen, wo es doch so viel Spaß macht sich über einen "Sportsmen for Bush" Pin zu amüsieren. Die Bedeutung wurde uns am Abend wieder vor Augen geführt, als wir eine Doku über die vier Jahre Bush-Regierung anschauten, die die Mißerfolge dieses Mannes sehr deutlich machten. Danach wurde beschlossen, sich Fahrenheit 9/11 anzuschauen und der Film hat mich wirklich sehr bewegt. Es waren gar nicht diese dramatischen Fakten, die teilweise auch als übertrieben oder falsch kritisiert wurden, wie die Verbindungen zwischen dem Bush- und BinLaden-Clan als vielmehr die "weichen" Infos, die bewegend waren. Viel wurde von Moore wieder in Michigan gefilmt, meinem derzeitigen Aufenthaltsort und einiges gezeigte läßt sich so sehr gut nachvollziehen. Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit, wie verwaiste, ghettomäßige Mittelstandsbezirke, oder die Hoffnungslosigkeit der jungen, schwarzen Bevölkerung, die ihre einzige Chance im Leben voran zu kommen, im Militär sieht. Doch das alles wird keinen großen Einfluß auf die Wahl haben, weil es scheinbar wichtiger ist, einen Präsidenten zu haben, der fest an Gott, Waffenfreiheit und seine eigenen Entscheidungen glaubt, mögen sie auch noch so falsch sein.

Dienstag, Oktober 26, 2004

Rally-Alarm

Nach dem vergangenen Winterwochenende hat sich wieder natürliches Herbstwetter eingestellt, was sich auch daran zeigt, dass die bekloppten Amis wieder mit Shorts und FlipFlops über den Campus schlurfen.
Sicht auf den Campus
Letztes Wochenende hat in der hiesiegen Gegend eine Auto-Rally stattgefunden. Zur Eistimmung gabs am Donnerstag ein Präsentation mit einigen Teilnehmern unter dem Motto "Wie werde ich eine Rallyfahrer". Unter anderem gab es einen Teilnehmer, der als Vorzeige-Ami herhalten konnte (ja, er war fett!!). Wenn der Beifahrer zum Gewichtsausgleich nicht mindestens das gleiche auf die bringt, hat sein Auto auf jeden Fall bedenkliche Schräglage. Dieser Abend haette mich eigentlich bedenklich stimmen müssen, ob es sich wirklich um eine dieser Rallys handelt, die man aus dem Fernsehen kennt. Nichtsdestotrotz machten wir uns am Samstag in den Norden auf, um dem Event beizuwohnen. Es war auch herrliches Rallywetter, trübe, regnerisch, kalt und die Wolken fingen am Ende der Baumwipfel an. Eine halbe Stunde konnten wir dann zuschauen, wie sich teilweise sehr betagte Karossen um eine Schikane quälten. Neben vielen Subarus, VW Jettas (ja, die sind sehr beliebt hier) und Golf gab es auch einen Porsche 911 (!!!). Na ja, es war ganz lustig, aber ich hatte etwas mehr Professionelles erwartet und auch meine finnischen Rallyexperten waren nicht sehr angetan.
Einer der besseren Teilnehmer
Am Abend ging es dann zum Live-Band-Hören nach Downtown. Die Band war sehr gut, ein Mix aus Rock und Bluegrass. Die Location hat uns allerdings verwundert. Es handelte sich um ein Coffee-House, so dass es nichts weiter zu trinken gab als Kaffee, Tee und heiße Schokolade, die Leute saßen brav an Tischen und die Deckenbeleuchtung strahlte fröhlich vor sich hin. Nicht das, was man unter Konzertatmosphäre versteht.
Am Freitag gab es Kino, Tom Hanks neusten Film "Terminal", von dem ich nur abraten kann, wenn man nicht gerade auf seichtes Rumgeschmalze steht. Ach so, dass Volleyball-Team wurde noch bei einem Heimspiel besucht, dass mit einem Sieg endete, was wohl nicht die Regel ist. Für mich verständlich, denn mehr als Kreisliga-Niveau haben die Mädels nicht, dabei trainieren die min. sechsmal die Woche, wirklich unverständlich.
Vom Sonntag gibts nicht weiter zu berichte, außer dass unser Basketballteam die dritte Niederlage einstecken musste. Genau wie in den anderen zwei Spielen, haben wir es wieder in den letzten Sekunden knapp verloren.

Sonntag, Oktober 17, 2004

Schneebedeckter Wrestler im Indian Summer

Beginnen wir heute etwas weiter zurück in der Woche. Am Dienstag haben wir uns in einer größeren Gruppe in den Norden der Keewenaw-Halbinsel aufgemacht, um am vorraussichtlich letzten Sonnentag des Jahres den Indian Summer (die Verfärbung der Bäume) anzuschauen. So richtig kann sich der Herbst hier aber noch nioht entscheiden, denn Gegenden mit herrlichen Farben (besonders hat es mir ein Gelb-Orange-Mix angetan) wechseln sich mit noch total grünen bzw. schon braunen ab.

Leider konnten wir uns nicht viel Zeit lassen, da einige Leute wegen Terminen am Abend zurück sein mussten. Unter anderem auch ich, wegen des ersten Meetings des Skiclubs, bei ich jetzt auch Mitglied bin. Für 10$ darf man nicht günstiger auf die Loipen und an Special Sales der örtlichen Sportshops teilnehmen, sondern bekommt auch noch Skiausrüstung gestellt.

Am Mittwoch abend war die dritte und letzte Bush-Kerry-Debatte. Die beiden Zankäpfel waren die ganze Zeit über in Portraitposition zu bewundern und mussten Fragen zur Krankenversicherung, Steuern und Sozialsystem beantworten. Einen richtigen Gewinner gab es nicht. Kerry hat bei jeder zweiten Antwort den Zeigefinger erhoben und mit "I have a plan ..." begonnen, während sich Bush wieder darauf beschränkte, die Fragen zu ignorieren und aufzuzählen was "my opponent" im Senat alles falsch gemacht hat. Es war auch in Ami in der Runde, der erzählte, dass sein Großvater für Bush stimmen wird, da er Angst hat, dass ihm die Demokraten, wenn sie an die Macht kommen, seine Waffen wegnehmen werden. Seine Großmutter wird, obwohl sie seine Politik nicht mag, für Kerry stimmen, da er genau wie sie Katholik ist. Was also mein Eindruck ist, jeder der sich um ernsthafte Themen wie Sozialsysteme, Wirtschaft und Krieg/Frieden Sorgen macht, wird Kerry wählen. Der Durchschnittsami, der mehr von emotionalen Aspekten, wie Waffen, billigem Sprit für dicke Autos, Religion, Angst vor Terrorismus und Abtreibungsskrupeln zerrt, wird George W. seine Stimme geben (die Wahl ist also entschieden).

Donnerstag und Freitag waren dann ganz den leidigen Hausaufgaben und meinem ersten Exam gewidmet. Ich glaube ich habe mich ganz wacker geschlagen und was mich sehr motivierte war die Aussicht, am abend zum Wrestling zu gehen. Die Werbung sah sehr vielversprechend aus und Tickets wurden schon Tage vorher besorgt (waren umsonst).
Aber was soll ich sagen, Fazit vorneweg, es war mit das langweiligste, was ich mir bisher so angeschaut habe.



Die Show fing 45 Minuten später an als erwartet, die Kämpfer waren 40 Jahre und älter und hatten ihre besten Tage schon lange, lange hinter sich. Entsprechend war auch das Niveau, es wurde mehr gequasselt als gekaempft, wenn man das denn so nennen darf, denn es war so schlecht geschauspielert, dass es einfach keinen Spass gemacht hat. Das lustigste waren noch die Zuschauer, die wohl froh waren, die Helden ihrer Kindheit mal live zu sehen und ganz standesgemäß rumgebrüllt haben ("Rip his head off" oder "KHA - Kick his ass"). Nach drei Stunden und ganzen drei Kaempfen haben wir es dann einfach nicht mehr ausgehalten, haben uns den Hauptkampf des krampfaderbestückten Showstars geschenkt, um uns zu einer lang angepriesenen Birthday Party aufzumachen. Diese hatte aber den gleichen Langweilelevel, so dass ich sehr froh war, endlich den schönsten Teil des Abends beginnen zu können, das Zubettgehen.

Am Sonnabend bin ich mit Johann (schwedischer Austauschstudent) und Dinh (franz./vietnamische- ) nach Marquette, der nächstgrößeren, zwei Autostunden entfernten Stadt gefahren. Der Morgen begann mit einem mittelstarken Regen/Schneeschauer und wurde im Laufe des Tages zu purem Schneefall, der dem Skihügel auf der anderen Seite des Flusses eine weißen Überzug verpasste.

In Marquette, das wie jede amerikanische Stadt, aus einer winzigen Innenstadt und einem breiten Häuser-Wallmart-Fastfoodrestaurant-Gürtel besteht, haben wir zu Beginn ein wenig Shopping betrieben, was meinen Schuhbestand um ein Paar Wanderschuhe erweiterte und frische T-Shirts in den Kleiderschrank brachte. Dann wurde sich ein wenig die Stadt angeschaut, der Kälte wegen aber bald in ein Cafe verzogen, um "deutschen" Schokokuchen zu essen, dessen Zuckergehalt halluzinogene Wirkung entfaltete. Auf dem Rückweg sind wir in einen echten, dicken Schneesturm gekommen. Man konnte keine fünf Meter weit schauen und wir waren gezwungen in nahezu Schritttempo über die Landstraße zu gurken. Es war aber sehr spassig, die Musik hat gestimmt, die Heizung funktionierte und der Zuckerrausch war noch nicht verflogen.
Nichtsdestotrotz haben wir es noch pünktlich zur Abendvorstellung im Unikino geschafft, wo sich die sehr lustige Parodie/Komödie Anchorman angeschaut wurde.

Heute war das zweite Saisonspiel im Basketball und ich war eigentlich frohen Mutes. Wir haben unser Team noch um eine polnische Centerin verstärkt und nach zweimal Training unter der Woche hätte alles gut laufen müssen. Die ersten Minuten des Spiels wurden aber wieder mal verschlafen und das Ende der zweiten Halbzeit war so katastrophal, dass wieder knapp verloren wurde, obwohl wir von der individuellen Seite viel stärker sind. Na ja, ich werde wohl beim nächsten Traninig mal ein Machtwort sprechen müssen. ;-)

Dienstag, Oktober 12, 2004

Homecomming Weekend

Obwohl schon Montag nacht, gibt es jetzt den Rückblick auf das vergangene Wochenende. Am Sonnabend habe ich mich bei schönstem Wetter auf den Weg gemacht, um mal wieder einem Footballspiel beizuwohnen. War diesmal schon viel unterhaltsamer als beim ersten Mal, es wurden mehr Punkte gemacht und allgemein gab es mehr Action, vielleicht lag es aber auch nur an der warmen Herbstsonne. Zur Halbzeit wurde dann die Homecomming-Queen gekürt, wobei die mit Abstand schlampigst gekleidete Bewerberin gewonnen hat (sie hatte wohl die größte Sorority hinter sich). Ich zumindest bin froh, dass der Flyerwahnsinn mit den Portraits der Kandidatinnen aufhört, die ganze Uni ist damit zugebombt. Am Abend habe ich mir den aktuellen Denzel Washington Film über gehirnwäsche-unterzogene Soldaten angesehen, den ich als anschaubar bezeichnen würde. Danach ging es noch in die Bar, die hier als Studentenclub, Kneipe und Abhängort zugleich funktioniert. Den Abend vorher gab es dort eine Massenschlägerei mit etlichen Verletzten und wohl einigem Blutvergießen. Gefährliche Ecke hier und im Winter soll es wohl noch schlimmer werden!
Am Sonntag hatte ich dann meinen ersten Auftritt als Schiedsrichter im Basketball, d.h. ich saß am Punktetisch und habe die Körbe und Fouls gezählt. Ist aber aufregender als es klingt, besonders wenn die Emotionen der Spieler hochkochen und man von beiden Seiten vollgequatscht wird (und das auf ausländisch!). Das letzte Spiel war dann das meines Teams. Wir sind ein ganz guter Mix. Vier Amis (zwei Mädels und zwei größere Kerle), vier Mexikaner (zwei Guards, ein Center, ein Forward), eine Vietnamesin und ein Deutscher (ich). Lagen zu Beginn schnell zurück, da keiner wusste, wo er zu stehen hat und alles etwas konfus war. Sind dann aber gut ins Spiel gekommen, haben langsam aber stetig aufgeholt und lagen 10 Sekunden vor Ende mit einem Punkt in Führung, als es zu einem unglücklichen Ballverlust und den Siegpunkten für das andere Team kam. Na ja, wir waren trotzdem zufrieden und hatten unseren Spass. Am Abend dann noch einen doofen aber lustigen Film (Oldschool) geschaut und anschließend ins Bett gehauen.
Football-Stadion.

Samstag, Oktober 09, 2004

Hobo-Alarm

Gestern hat das Homecomming-Weekend angefangen. Würde gerne erzählen, was das ist, habe aber leider keine Ahnung und es konnte mir auch keiner erklären. Mehr oder weniger wohl einfach eine Ausrede, um ein Wochenende mit vielen Veranstaltungen und Partys zu haben. Soll mir aber auch egal sein, um 3 Uhr war Unischluss und mir blieb eine langweilige Vorlesung erspart. Am Nachmittag gab es dann die HoboParade. Die Studentenverbindungen ziehen dabei als Obdachlose (Hobos) verkleidet (moralisch ein wenig bedenklich) durch die Hauptstraße. Dabei wird in alten rostigen Autos, umgebauten Trucks oder mutwillig zerstörten Vehiceln gesessen und Candy in die gaffende Menge geworfen. Mit dem Wetter hatten sie echt Glück, eine halbe Stunde vorher hat es noch geregnet, dann kam pünklich die Sonne raus und kurz nach der Parade verfinsterte sich Himmel und monsunartiger Wasserfall kam von oben.
Am Abende gab es ein Spiel des Eishockey-Teams gegen irgendein anderes College. Die Arena ist ziemlich gross, passen bestimmt 2000 Leute rein, es war aber leider nur zur Hälfte gefüllt, obwohl es kostenlos war. Es ist natürlich nicht so professionell wie man es aus dem TV kennt, aber die Action stimmte, es gab ein paar Tore und sogar ein Rangelei, bei der sich Spieler und Schiedsrichter in grossem Knäul auf dem Eis wiederfanden. Nach zwei Dritteln musste ich aber gehen, um die Bush-Kerry-Debatte zu sehen.
In dieser durften Studiogäste Fragen an die Kandidaten richten. Das Show ging 90 Minuten, ohne Werbeunterbrechung (!), was dann auch mir etwas zu lang war (die Mehrzahl der Amis hat wahrscheinlich schon nach der Hälfte schlapp gemacht). Der erste Teil ging wieder mal um den Irak und Terrorismus und für mich ging Kerry klar als Sieger hervor. Er war sehr selbstsicher, hat überlegt geantwortet und Bush gut angegriffen. In der zweiten Hälfte waren die Krankenversicherung, Steuern und Stammzellen/Abtreibung dran. Hier gabs für mich ein Unentschieden, weil Kerry doch einige Stotterer drin hatte (gerade beim Thema Abtreibung) und einige Male den Fragen ausgewichen ist. Bush hat mich überrascht, seinen Antworten mangelte es zwar an Inhalt, aber er trat sehr selbstbewußt auf, hatte keine Versprecher und sorgte auch für den ein oder anderen Lacher (ja, er hat Humor).
Der Abend endete mit einer Partie Trivial Pursuit. Es war eindeutig die amerikanische Variante, weil die Fragen überwiegend um amerik. Präsidenten, 2. Weltkrieg oder Baseball gingen. Mit den drei Antworten Truemann, Goebbels und RedSox hätte man das Spiel locker gewinnen können (habe ich leider erst am Ende mitgekriegt).
Eines der tollen Hobo-Mobile.

Montag, Oktober 04, 2004

Grillmeister

Hatte morgen hatte ich meinen ersten Arbeitstag in der Cafeteria. Ich bin dem Grill zugeteilt, was bei meiner Schicht bedeutet, Frühstück und Lunch machen zu dürfen. Meine Arbeitskraft ist Pat, einer verwitweten, 62-jährigen, sechsfachen Mutter unterstellt. Ich durfte also Toast mit Butter beschmieren, Omelettes bruzeln, French Fries sieden und Hamburgerbrötchen belegen. Die zwei Stunden gingen fix rum und haben Spass gemacht. Als Arbeitsbekleidung habe ich mein eigenes rotes Cafeteria-Shirt bekommen und durfte als optisches Schmankerl noch ein weißes Schürzchen tragen.

Sonntag, Oktober 03, 2004

Auto und Oktoberfest

Seit Freitag bin ich stolzer Teilhaber eines amerikanischen Automobils, eines schönen großen Buicks. Tero, ein finnischer Austauschstudent, hat hier Verwandte, die einen Autohändler im Freundeskreis haben und so haben wir einen guten Preis bekommen und können sicher sein, dass die Karre auch läuft. Wir sind zwar ein grosser car-sharing Trupp (fünf Leute) aber da keiner das Auto braucht, um zur Uni zu kommen, sondern nur für Erledigungen, sollte das schon gut klappen.

Gestern haben wir im privaten Kreis ein Oktoberfest gefeiert. Tom, ein Doktorand aus Bayern und ich haben den Nachmittag damit verbracht Essen zu machen. Es wurden zwei Schweinsbraten zubereitet und 15 kg Kartoffeln zu Knödeln verarbeitet. Die Küche war ein Saustall danach. In Downtown gibt es zwei Privatbrauereien und wir haben ein halbes Barrel (ca. 60 Liter) Hefeweizen erstanden. Aus dem Internet zünftige Oktoberfestmusik runtergeladen und dann konnte es mit Schmauß und Trank und improvisiertem Maßkrugstemmen losgehen.
Hier ist das Schmuckstueck

Freitag, Oktober 01, 2004

Dicke Bürokratie

Ich habe Sie gefunden, endlich! Die Fetten Amerikas, oder besser die fetten Frauen Amerikas. Ich habe mich schon gewundert, dass die Menschen hier wie Kopien von Europäern aussehen und mein Vorurteil scheinbar überhaupt nicht bestätigt wurde. Die Wahrheit ist, die dem fitnesswahn verfallenen Proto-Amis verstecken ihre übergewichtigen Landsleute. Nicht dass sie ihn dunkle Keller oder Lastwagendepots gesperrt werden, nein ganz weltmachtmäßig werden sie einem Pseudobeschäftigungsumfeld zugeführt: dem 4qm-Office.
Doch ich will von vorne beginnen. Ich habe beschlossen, etwas für Taschengeld und erweitertes Kommunikationsumfeld zu tun und mich für die die kapitalistische Ausbeutungsmaschinerie Niedriglohnjob zu bewerben. Mit meinem Visum darf ich zwar nur auf dem Campus arbeiten, aber da gibt es auch zahlreiche Jobs. So spät sind die besten natürlich weg und es bleibt nur die Cafeteria.
Ein Aushang weist darauf hin sich im Cafeteria-Office zu melden. Also nichts wie hin, nur um zu erfahren, dass ich erstmal ins Administrationsoffice gehen muss, um ein Bewerbungsbogen zu holen. Gesagt, getan. Das Ding ausgefüllt und zurück ins Cafe-Office, um mir eine Unterschrift zu holen und dann wieder ins Admin-Office.
Weil die Sekretärin mit meinem Status als Exchange-student nicht weiterkommt, werde ich in die hinterste Ecke des Office verwiesen und da sehe ich sie dann. Ein Berg von Mensch, geschlechtsmäßig zu Anfag nicht bestimmbar, von Kopf bis Fuss pures amerikanisches Fett. Wie jeder Officeangestellt mit einem coffee mug (eine Art Thermogefäß) ausgerüstet, allerdings in Dinosauriergröße, min 1,5 Liter.
Es gibt nun Probleme mit meiner Zweitbeschäftigung im Basketballbereich, ich muss also ins Sportoffice. Dort sichte ich dann das zweite Officeungeheuer. Etwas schlanker zwar, aber immer noch mehr als eindrucksvoll und mit allerlei goldenem Klimperzeug behangen.
Nummer drei wartet im Accountingoffice, wo ich wegen meiner Steuerformulare hinmuss. Wieder am Ende des Flurs gelegen, scheinbar um Besucher nicht zu verschrecken. Es ist wirklich erschreckend, mann kann nicht erkennen wo die Brust aufhört und der Bauch anfängt oder ist es nicht vielleicht doch schon der Oberschenkel? Abgeshen davon ist es eine sehr freundliche Beratung, ich bin zwar gezwungen, noch drei mal meine Adress und social security number aufzuschreiben (bei dem Überwachungsapparat hier, sollte man meinen, dass es reicht alles einmal niederzuschreiben und die Homeland Security es dann weiterverteilt) aber dann bin ich auch durch.
Fazit ist: ich arbeite jetzt Montags und Freitags jeweils zwei Stunden und kann mir so mein Kabelfernsehen verdienen.