Stephan in the States

Sonntag, Januar 30, 2005

Streetcop

Am Mittwoch war der erste Teil des Tages mit Uni ausgefüllt. In meinem Filmkurs wurde über den Montagsfilm gequatscht, was einige interessante Infos über den Einfluss des japanischen Regisseurs auf den internationalen Film zu Tage brachte. Unter anderem sind Westernklassiker, wie „Für eine Handvoll Dollar“ mit Clint Eastwood, Remakes seiner Werke und er hatte starken Einfluss auf Größen wie Spielberg und Lucas.
Am Abend gabs dann gleich nochmal Kino, als der chinesische Martial Arts Film „House of the flying Daggers“ gezeigt wurde ( http://www.apple.com/trailers/sony/houseofflyingdaggers-tlr.html ). Mir hat er eigentlich ganz gut gefallen, viele schöne Szenen, die was fürs Auge boten, aber die Mehrzahl der Anwesenden hat ihn in der Luft zerrissen.
Am Donnerstag war wieder mal Arbeiten angesagt und ich hab nun langsam den Dreh raus, wie ich die Zutaten für die Smoothies portionieren muss, damit nach dem Abfüllen in Becher noch was für mich übrigbleibt. Nachmittags war das erste Projekttreffen für meinen Datenbank-Kurs angesetzt. Als Semesteraufgabe steht, eine Datenbank für ein beliebig wählbares Geschäftsfeld zu wählen. Nach kurzer Diskussion wurde mit meiner Enthaltung beschlossen, eine internationale Verschwörungs-/Terrororganisation zu modellieren, man hat als Informatiker schließlich einer gewissen Kreativverpflichtung nachzukommen. Am Abend war ich dann wieder als Schiedsrichter unterwegs und diesmal lief es schon ein bisschen besser, wenn ich mich aber auch immer noch sehr unsicher fühle, wenn mich ein Spieler nach Pfiff anfaucht, wie ich denn zu dieser Entscheidung gekommen bin (und er evtl. auch noch Recht hat, ich das aber nicht zugeben darf). Dafür gings danach in die örtliche Privatbrauerei zum Absacker trinken. Die Spezialität neben den Bieren, ist das Erdnuss-Essen. Die Schalen werden einfach auf den Boden geworfen, was zu später Stunde eine lustig knackende Abfallschicht geschaffen hat.
Freitag Abend waren drei Freunde und ich zum Dinner bei unserer alten (aber jungen) Englisch-Lehrerin eingeladen. Diese wohnt mit Mann und Kind in neuem Haus abgeschieden direkt am Portage Lake. Leider hatten wir auf dem Hinweg etwas Pech. Schon seit einiger Zeit fällt unser treuer Buick Stück für Stück auseinander und diesmal war der untere Frontspoiler dran, dessen Reste mühsam entfernt werden mussten. Etwas in Zeitverzug konnten die Geschwindigkeitesvorschriften nicht ganz eingehalten werden. Ein vor uns fahrenden Wagen fuhr plötzlich an den Straßenrand, folgte uns dann mit hellem Dachlicht und grade als wir begann uns zu wundern, was das soll, wurde es zu einem Rot-Blau-Lichtgewitter. Also rechts ran, dem freundlichen State Policeman die Papiere ausgehändigt und als Dankeschön einen Wisch bekommen, den wir nächste Woche dem Gericht vorlegen müssen. Wir sind schon ganz gespannt, was dabei rauskommt. Das Dinner war dann mit Kaminfeuer, gutem Essen und Wein umso schöner. In der Spätvorstellung haben wir uns dann „The Incredibles“ (@Florian: Du warst Erster) angeschaut, der mir, so ich denn die Witze verstanden habe (verdammt Englisch-Lernschwäche), sehr gut gefallen hat.
Samstag war vom International Club großer Skitag angesagt. Wir haben dicke Discount vom Skigebiet bekommen und so war ich mal wieder Downhill unterwegs. Die Gelegenheit wurde auch von vielen Anfängern genutzt, sodass der erste Teil des Tages mit Skischule geben verbracht wurde und der Beginner-Hügel mit gestürzten Asiaten und Südamerikanern gepflastert war.
Auf dem unieigenen Skihuegel
Heute stand dann erstmal ausschlafen und erholen auf dem Programm. Nachmittags hat sich die Hausgemeinschaft zum Schneestatuenbautraining für den Wintercarnival nächste Woche getroffen. Fazit nach zwei Stunden ist eine kleine Statue, die in etwa dem ähnelt, was unser Vorhaben war und die Einsicht, dass das alles nicht so einfach ist, wie es sich anhört.

Dienstag, Januar 25, 2005

24h japansischer Basketball aus Bollywood

Heute war der erste richtige Uni-Montag seit Semesterbeginn und es gab volles Studienprogramm den Tag über, das mit meinem Filmkurs und damit Kino endete. Es gab den japanischen Klassiker Rashomon zu sehen, der Anfang der 50er gedreht, noch in SchwarzWeiß war und einen Mord aus vier verschiedenen Sichtweisen nacherzählt. Ich fühlte mich nur mäßig unterhalten und war ganz froh danach wieder an die Luft zu dürfen. Am Abend musste ich zum Schiedsrichten für den Unibasketball. Die ersten zwei Spiel habe ich nur das Scoreboard beschrieben, durfte dann aber beim letzten und vermeintlich leichtesten Spiel auch pfeifen. Dieses hat sich dann leider als das intensivste herausgestellt, mit vielen Fouls und aufgedrehten Spielern. Der Druck und die Reaktionen von den Spielern nach vermeintlichen (oder tatsächlichen) Fehlentscheidungen können einem schon zu schaffen machen. Ich fühlte mich leicht überfordert und war ganz froh danach wieder an die Luft zu dürfen.
Zur Entspannung gab es dann eine neue Folge von 24, einer wirklich sehr empfehlenswerten Serie, zu schauen. Endlich zu Hause angekommen, konnte ich noch eine halbe Stunde, einem von DVD auf VHS kopierten, aus Bangladesh eingeschmuggelten Hindi-Drama-Bollywoodfilm beiwohnen.
Das schöne Photo zeigt übrigens mein neues Zuhause, wobei mein Zimmer auf der Rückseite liegt und damit unsichtbar bleibt. Die Adresse lautet übrigens
1109 College Avenue
Houghton, MI 49931
Mein neues Zuhause

Sonntag, Januar 23, 2005

Suppenkasper

Sonntag Abend und es gilt ein recht ruhiges Winterwochenende zusammenzufassen. Das Wetter war die ganze Zeit bombig, aber meine Grippe und ein beim Basketball verdrehtes Knie ließen leider keine Aktivitäten zu. Samstag sind wir zum Zuschauen beim Eisbaden gefahren. In den Portage Lake, so nennt sich der Fluß, der die Stadt im Norden begrenzt, haben die Stadtväter ein minipoolgroßes Loch geschlagen, auf dass sich die Bekloppten der Gegend zum Härtetest ins 1°C kalte Wasser stürzen können. Viele waren sehr lustig angezogen, es gab eine Sprungwertung und manche Kältegeschockten haben sich noch zum Schneeringen am Boden gewälzt.
Eisbader am Portage Lake
Am Nachmittag stand dann großes Saubermachen im Haus an, alle Badezimmer wurden geschrubbt, die Kühlschränke ausgemistet, wobei manches weggeworfen wurde, dass schon mehr als eine Saison auf dem Buckel hatte. Der härteste Brocken war die Küche, deren Schränke und Schubladen letztendlich 4 Müllsäcke voller Schrott aus den vergangenen Sororityjahren (weibliche Studentenverbindung) des Hauses hergaben.
Am Abend wurde StarWars (die deutschen Stimmen sind sooo viel besser) geschaut und ein wenig feiern gegangen.
Der Höhepunkt des heutigen Tages war die Erschaffung eines Schneemanns bzw. war das die Idee. Der flockige Schnee hat dann ein anderes Vorgehen, als das übliche Kugelrollen nötig gemacht und das Resultat kann bitte jeder für selbst interpretieren.
Schnee-Irgendwas mit Shiori
Erwähnenswert ist noch das vietnamesische Dessert namens Beensoup, das uns heute vorgesetzt wurde, einem gallertartigen Mix aus süßen Bohnen und Kokosnuss in verschiedenen Variationen, ziemlich merkwürdig schmeckt und von unserem Ami, wie ich finde, ganz zutreffend beschrieben wurde mit: „Sieht aus wie Schnodder“.

Freitag, Januar 21, 2005

Studieren im Schnee

Nach über einem Monat Ruhe gibt es nun mal wieder etwas von mir zu hören. Letzte Woche hat das zweite Semester angefangen und es gab gleich wieder viel zu tun. Neben zwei mäßig interessanten Informatikkursen, belege ich einen English-Writing-Kurs bei einem multisprachbegabtem Ex-College-Lehrer, der aber nun als Manager in der örtlichen Tierklinik arbeitet und dies als zweiten (!) Nebenjob betreibt, sowie einen Kurs „Introduction to film“, der hauptsächlich aus Filmschauen und Filmdiskutieren besteht.
Im Unisportprogramm hat die Männer-Basketballsaison begonnen und mein Team hat schon die ersten beiden Niederlagen hinnehmen müssen, es gibt einfach kein Glück für mich in diesem Sport.
Mit das wichtigste ist natürlich mein neues Heim. Ich wohne jetzt in einem Zimmer unter dem Dach eines etwas betagten Hauses. Die Bewohner kommen aus allen Teilen der Welt (Japan, Frankreich, Bangladesh, Nepal, USA, Vietnam) und sind alles sehr nette Leute und die kulturellen Unterschiede sind geringer als man denken sollte (leider habe ich Ramadan verpasst, wo es wohl zur Lammschlachtung in der Küche kam).
Dank verändertem Stundenplan haben sich auch Jobzeit und -ort verändert und ich arbeite nun zweimal die Woche im Snackpoint, und meine Hauptbeschäftigung besteht darin, Smoothies zu mixen, ein Früchte, Sirup, Eismix, der lecker und überteuert zugleich ist.
Letzten Freitag war ich mit drei Freunden für eine Nacht zum Wintercampen unterwegs. Nachträglich haben wir erfahren, dass es eines der kältesten Wochenenden der Saison sein sollte, wir hatten schon tagsüber Temperaturen von -20C, nachts hat mir das Thermometer gefehlt, aber meinen Erinnerungen nach wurde es noch kälter. Bei Sonnenuntergang haben wir uns mit aller Ausrüstung auf dem Rücken durch den verschneiten Wald gekämpft, um unser Ziel, einen vereisten Wasserfall zu erreichen. Nach Zeltaufbau und Lagerfeuermachen, haben wir es uns dann mit Grillwürsten (amerikanischen und damit nicht sehr schmackhaft), Dosensuppe und Alkoholischem gemütlich gemacht. Den Temperaturen waren mit dicker Kleidung gut beizukommen, nur die Füße haben jedem von uns Sorgen gemacht. Nachts war deswegen nicht viel Schlaf zu bekommen und am Morgen haben sie sich bedenklich taub angefühlt, ein neues Feuerchen hat aber schnell Linderung verschafft. Über Nacht hatte es gut 20 Zentimeter Neuschnee gegeben und beim Rückmarsch auf neuer Route, konnten wir uns durch stellenweise hüfthohen Schnee kämpfen. Das anschließende Mittagessen beim Burgerrestaurant war dann ein echtes Festmahl und nur der halluzinogene Gestank, den meine rauchverpestete Kleidung abgab, konnte mir die Rückkehr in die Zivilisation verderben.
Blick aus dem Kuechenfenster meines neuen Hauses
Am Montag war der Martin Luther King Jr. Gedenktag, der uns Studenten den Nachmittag frei gab und mir damit die Gelegenheit, meine endlich erstandenen Skistöcke zum Skateskiing auszuprobieren. Das Luft war eisig kalt, die Sonne ballerte vom blauen Himmel, die Loipen waren perfekt präpariert, meine Ski waren falsch gewachst und ich stellte mich wie der erste Mensch an. Hatte die ganze Sache doch leichter in Erinnerung und war froh, dass kaum einer unterwegs war, der meine Stolpereien beobachten konnte. Spass hats trotzdem gemacht und zumindest konnte ich es als Trainingseinheit verbuchen.
Dienstag nachmittag wars dann soweit und die grassierende Grippewelle hatte mich erreicht (wieder mal). Die nächsten Tage war somit nicht viel los, habe mich zu ein paar Meetings und den Basketballspielen geschleppt und fühle mich erst seit heute wieder einigermaßen gut. Werde hier nun aufhören und ein Spielchen am hauseigenen Billardtisch wagen (Luxus ist was schönes).